Ansgar Hantke

allgemeinmedizinisch-psychotherapeutische Praxis

Öffnungszeiten

Montag bis Donnerstag 08:00 - 12:00 Uhr
Dienstag    16:00 - 18:00 Uhr

Mittwoch Telefonsprechstunde

12:30 - 13:00 Uhr

Patienten OHNE Termin und mit akuten Beschwerden kommen bitte zwischen 11:30 und 12:00 Uhr (montags, mittwochs und donnerstags) oder Dienstagnachmittag zwischen 17:00 und 18:00 Uhr in die Akutsprechstunde - Bitte melden Sie sich für die Akutsprechstunde an, damit wir planen können

ACHTUNG: während der Akutsprechstunde bespreche ich keine Befunde (Facharztberichte etc.) mehr. Dafür lassen Sie sich bitte einen regulären Termin (Sprechstunde, Telefonsprechstunde) geben oder schreiben eine E-Mail.

Hinweis: derzeit sind alle Sprechstundenterminen ausgebucht. Melden Sie sich deshalb für die Akutsprechstunde an!

Ein Drittel meine Praxis aufsuchende Klientel zeigt einen unsicher-ambivalenten Bindungsstil. Sich wiederholende widersprüchliche Beziehungsangebote-so die Bindungstheorie-können in der frühen Kindheit zu diesem unsicher-ambivalenten Bindungsstil führen. Unter widersprüchlichen Beziehungsangeboten ist zu verstehen, dass die primären Bezugspersonen (Mutter, Vater etc.) auf das Verhalten des Kleinkindes entweder zeitlich versetzt oder gleichzeitig auf verschiedenen "Kommunikationskanälen" (verbal, nonverbal) sich gegensätzlich emotional äußern. Zum Beispiel lächelt eine Mutter während sie das Kind ausschimpft, weil es in einem Geschäft die unterste Schublade ausräumt. Oder ein Kind erhält einmal ein bestätigendes Lächeln des Vaters während es die "On" Taste des Computers betätigt, ein anderes Mal ist dieser außer sich und gibt dem Kind einen Klaps. Oder: Mal ist es für die Bezugspersonen in Ordnung, wenn das Kind, weil es weint, zu ihnen kommt. Es wird gedrückt und beruhigt. Ein andermal wird dieses Kind von den gleichen Bezugspersonen zurückgewiesen, in dem es belächelt oder verurteilt wird. Ein Patient fasst sein Erleben so zusammen: „es war ganz egal, wie ich reagiert habe, es war immer falsch.“ Dies zeigt die unheilvolle Folge – nämlich das sich hieraus entwickelnde zeitlich überdauernde dysfunktionale Denkmuster – einer sich immer wiederkehrenden unsicher-ambivalenten Beziehungserfahrung. Diese negative Folge besteht darin, dass das Kind die Reaktion des Erwachsenen nicht vorhersehen kann und deswegen stetig unter Spannung/Unruhe steht. Um dennoch "Sicherheit in der Unsicherheit" herzustellen, entwickelt das Kind z.B. einen wie den o.g. "Glaubenssatz" ("es war ganz egal..."). Wesentlich ist hierbei, dass dieses Beziehungsgeschehen viele Wiederholungen braucht, um als pathologisch für die Bindung zu gelten. Wesentlich ist auch, dass das Kind und damit später der Patient selber bei diesem unheilvollen Beziehungsmuster mitwirkt, indem es/er dafür sorgt, dass der dysfunktionale Denkmuster weiter Bestand hat"

Das zentrale Element dieses Bindungsstiles kann damit als Innere Zerrissenheit oder auch Unvereinbarkeit gegensätzlicher Gefühle beschrieben werden. Nach außen hin zeigt sich diese Zerrissenheit emotional durch überschießende Reaktionen (Impulsivität) und Unruhe, auf der kognitiven Ebene durch Miss – und Fehldeutungen sowie Beziehungserleben (jegliches Verhalten anderer wird auf sich bezogen). Es (das zentrale Element) führt zu einer dauernden Gespanntheit in Beziehungen, weil der Partner mit einem unsicher-ambivalenten Bindungsstil unbewusst folgendes agiert: „mit (dir) geht nicht, ohne (dich) gehts aber auch nicht“ (Unter Agieren wird ein unbewusstes nicht kommuniziertes Handeln verstanden). Er hat quasi die Widersprüchlichkeit aus den Beziehungserfahrungen mit seinen Eltern in seine Partnerschaft übernommen. In Partnerschaften setzt dieses häufig einen Bindungspartner voraus, der selbst (emotional) so stabil ist, dass er das "Hin und Her" der fehlenden Fähigkeit des Patienten, diese Zerrissenheit zwischen Nähe - und Distanzwünschen zu regulieren, aushält.

Während Patienten mit einem unsicher – vermeidenden Bindungsstil ihre Emotionen/Gefühle (bis zu deren Unkenntlichkeit, also zu stark) "down" regulieren, machen Patienten mit einem unsicher – ambivalenten Bindungsstil sprichwörtlich aus "einer Mücke einen Elefanten" oder "viel Lärm um nichts", also eine "up" Regulation. Ihnen fehlt schlichtweg die Fähigkeit, "den richtigen Ton" zu treffen, ihr Gefühlsleben angemessen zu regulieren. Dies ist gut nachvollziehbar, wenn Sie sich vorstellten, Sie sein unter stetiger heftiger Anspannung. In so einer Situation reagiert auch ein gesunder Proband übermässig, ist schreckhaft und sein Ausdruck nicht mehr adäquat. Doch zurück zum unsicher – ambivalenten Bindungsstil. Durch die Bindungserfahrungen aus der Kindheit führt dieser Bindungsstil folgerichtig zu mehr Misstrauen, denn unsicher – ambivalente Individuen gehen davon aus, dass der Bindungspartner ihnen nicht sicher ist. Misstrauen führt seinerseits zu mehr Kontrolle und dem Versuch der Absicherung. Der Bindungspartner ist dabei nicht selten verwirrt oder irritiert oder ärgert sich, weil er sich durch die Kontrolle bedrängt fühlt. Somit überträgt sich eine Spannung auf den Bindungspartner, der seinerseits nun zu heftig reagiert. Nicht selten führt das zur Eskalation mit der Androhung oder Umsetzung einer Trennung. Trennungen sind beim unsicher – ambivalenten Bindungsstil häufig, Beziehungen eher von kurzer Dauer. Wenn es zur Trennung kommt, ist es nicht selten so, dass Menschen mit einem unsicher – ambivalenten Bindungsverhalten die Beziehung nicht wirklich beenden. Sie können schlecht oder keinen Schlussstrich ziehen und "wärmen" Beziehungen gern wieder auf. Sie stehen dann zwischen dem Idealisieren ("das war so schön") und Entwerten ("der letzte Dreck"). Auch sie – analog zum unsicher – vermeidenden Bindungsstil – haben einen Mangel an "Werkzeugen" in ihrem Werkzeugkasten:

Die Selbstwahrnehmung zeigt eine deutliche Verzerrung, einhergehend mit einem Mangel an Identitätsgefühl. Auch die Objektwahrnehmung ist bis nahe zur Unkenntlichkeit verändert, die Objekte werden als groß, bedrohlich oder auch idealisiert ("zu rosarot") dargestellt. Manchmal über -, ein andermal unterschätzen sie ihre Fähigkeiten. Sie unterscheiden sich im Kommunikationsverhalten zu ihrem Gegenüber ganz erheblich vom unsicher – vermeidenden Typus. Sie sind lauter, direkter, schneller bzw. spontaner, wenig feinfühlig. Sie haben wenig Kontrolle über das Ausmaß ihrer Emotionsäußerung (Affektkontrolle, Affekttoleranz usw.). Umgekehrt sieht es in der Kommunikation nach Innen aus (hier fehlt ihnen das Halt gebende Objekt aus der Kindheit) sowie die Bindung nach Innen. Dadurch, dass sie keinen Halt im Sinne eines Selbstvertrauens nach Innen haben und die Bindung zu den Eltern bzw. zu einem Elternteil unsicher war, geraten sie schnell in Selbstzweifel, wenn sie sehen, was sie angerichtet haben. Neben der fehlenden Emotionskontrolle und dem Mangel an Selbstwert zeigen unsicher – ambivalente Individuen eine besonders ausgeprägte Neigung zum Agieren (s.o.). Was ihnen hier fehlt ist die Fähigkeit, zu mentalisieren, heißt, die in ihnen aufkommenden Bedürfnisse, Motive und Wünsche auszusprechen, zu kommunizieren. Dies setzt nämlich voraus, dass diese bekannt und bewusst sind. Genauso wie die Gefühle sind aber auch die Bedürfnisse recht widersprüchlich. In einer therapeutischen Beziehung gilt es deswegen diese Widersprüchlichkeit in den Fokus zu rücken und die Fähigkeit einzuüben, diese aushalten zu können.

Neben der Widersprüchlichkeit in der emotionalen Antwort zeigen elterliche Bezugspersonen in einer unsicher – ambivalenten Bindung zum Kind wenig bis kaum Feinfühligkeit. Ihnen fehlt "das Händchen" für den adäquaten Umgang mit dem Kleinkind. Nicht selten stecken dahinter eigene Trennungserfahrungen, gar eine Ablehnung des Kindes, Überforderung bzw. eigene psychische Belastungen. Heißt: häufig brauchen die Eltern von unsicher – ambivalent gebundenen Kindern selber psychologische Hilfe. Sie sind zu sehr mit den eigenen Bedürfnissen und denen des Kindes "verstrickt".

 

Sollten Sie Fragen haben, sprechen Sie mich an!

Etwa die Hälfte der sich in meiner psychotherapeutischen Behandlung befindenden Klientel zeigt einen unsicher-vermeidenden Bindungsstil. Dieser Bindungsstil ist gekennzeichnet durch eine klassische Erwartungshaltung, nämlich der Gewissheit, in seinen Wünschen und Bedürfnissen letztendlich immer wieder enttäuscht zu werden. Diese Erwartungshaltung erwächst aus den Erfahrungen als Kind mit den primären Bezugspersonen (meist Mutter und Vater). Vor allem sind es die sich stetig wiederholenden frustrierenden Bindungserlebnisse, die das Kind in der Beziehung zum Objekt (jede Person, die dem Kind gegenübertritt wird als Objekt bezeichnet) zu vielfältigen Anpassungsprozessen zwingt. Primäre Bedürfnisse des Kindes nach Halt, Schutz, Geborgenheit, Zuwendung und Fürsorge sowie einer angemessenen emotionalen Antwort verlangen eine ausreichend erkennbare Reaktion durch die Fürsorgeperson/en. Dabei sind Kinder in ihrer Bedürftigkeit sehr unterschiedlich, sodass die primären Objekte unterschiedlich stark gefordert sein können. Wenn diese Bedürftigkeit nicht erkannt und damit nicht ausreichend befriedigt wird, kann sich bei häufigen Wiederholungen ein Gefühl der Enttäuschung manifestieren. Wie wir heute wissen, stellt die Enttäuschung DAS zentrale Element der unsicher-vermeidenden Bindung dar. Genauer gesagt: der Schmerz der Enttäuschung, weil der Säugling frustrierende Erfahrungen primär körperlich erlebt, eine mentale Instanz für das Gefühl der Enttäuschung noch nicht existent ist. Erst mit zunehmendem Alter gewinnt das Kind eine Vorstellung über seine Verfassung, wenn es enttäuscht wird.

Exkurs: insbesondere in den fünfziger und sechziger Jahren-teilweise aber auch bis in die achtziger-war es durchaus gängig, Kinder schreien zu lassen, um sie zu erziehen und/oder deren "Lungen zu kräftigen“. Es galten überwiegend noch die Erziehungsmethoden von Johanna Haarer (der nationalsozialistischen Erziehungsideologin. Ratgeber: "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind ", "Unsere kleinen Kinder" usw.). Wir wissen heute, dass durch diese Art der Kindheitspflege, bei manchem Kind großer Schaden angerichtet wurde.

Die Enttäuschung primärer Bedürfnisse hat-wie oben bereits erwähnt-vielfältige Anpassungsprozesse zur Folge, in deren Rahmen das Kind die Wiedererlangung seiner inneren Homöostase forciert. Säugling und Kleinkind haben zwar noch keine bewussten Vorstellungen über eine Beziehung, doch implizit „weiß es“ von seiner Abhängigkeit von den Fürsorgepersonen. Frustration, Ohnmacht und schließlich Resignation führen zur Anpassung (Adaption) an die primären Bezugsperson/en. Dabei kommt es bereits früh im kindlichen Gehirn zu Veränderungen in den neuronalen Verschaltungsmustern. Motor dieser Prozesse stellen alle Faktoren, die in der Bindung zu Stress führen können, dar. Dabei spielt das Cortisol (dem Cortison ähnlich) der Nebennierenrinde eine bedeutende Rolle. Es sorgt durch Einflussnahme auf die neuronalen Verschaltungen sowie auf bestimmte Zentren des Gehirns dafür, dass es zur Modifikation der Verknüpfungen von Nervenzellen kommt, die normalerweise den Schmerz, aber auch den Antrieb generieren. Doch nicht nur das Cortisol als ein Faktor der hormonellen Steuerung, auch das vegetative Nervensystem durch seinen erhöhten Sympathikotonus (Ungleichgewicht zugunsten des Sympathikus) wirken bei Stress auf höher gelegene Hirnzentren. Dies hat bisweilen zur Folge, dass Klienten als unsicher-vermeidende Bindungspersonen kein Gespür mehr für ihre vielen, sich wiederholenden und erlebten Enttäuschungen entwickeln. Obwohl die Sensorik unauffällig erscheint, wirken diese Klienten so, als ob ihnen das Instrumentarium (oder der „Werkzeugkasten“) für die Detektion des Gefühls der Enttäuschung fehlt. Sie „überhören“, „übersehen“ oder „überlesen“ ihre Wahrnehmung. Diese durch Hormone und das vegetative Nervensystem in Gang gesetzten Anpassungsprozesse führen zu Veränderungen der Struktur des Gehirns. Nicht nur im Sinne des neuronalen Verschaltungsmuster bestimmter Hirnzentren, sondern-und vor allem-des genetisch mitgelieferten und erlernten „mentalen Werkzeugkastens". Das Instrumentarium, mit dem der Mensch sich den äußeren Erfordernissen und inneren Bedürfnissen stellen muss, um das immer wieder in Unruhe geratene innere Gleichgewicht, die Homöostase, wiederherzustellen. Um diese durch Anpassungsprozesse in Gang gesetzten Veränderungen standardisiert zu erfassen wurde ein Fragebogen entwickelt, der bestimmte Fähigkeiten (ich nenne sie „Werkzeuge“ des Werkzeugkastens), die der Mensch in seiner frühsten Lebensperiode entwickelt/erlernt, erfasst.

Der Werkzeugkasten (strukturelle Fähigkeiten). Hierzu zählen:

1)die Selbstwahrnehmung

2)die Objektwahrnehmung

3)die Selbststeuerung/Selbstregulierung

4)die Regulierung des Objektbezugs

(u.a. Interessenausgleich in Beziehungen, Schutz der Beziehung, Nähe-Distanz)

4)die emotionale Kommunikation nach innen

(u.a. Gefühle erleben (Affektwahrnehmung), Fantasien nutzen)

5)die emotionale Kommunikation nach außen

(u.a. Einfühlungsvermögen (Empathie), Mitteilung von Gefühlen (Affektmitteilung))

6)die Bindung nach innen (u.a. Integration von Aspekten früher Bindungspersonen)

7)die Bindung nach außen (u.a. Bindungsfähigkeit einschätzen, Hilfe annehmen)

(Alternative Einteilung der strukturellen Fähigkeiten bei unterschiedlichen Autoren möglich)

Individuen mit einem unsicher-vermeidenden Bindungsstil haben bereits in frühester Kindheit als die für sie am besten geeignete Strategie erlernt, sich dem Gegenüber/dem Anderen/dem Objekt anzupassen (Adaption). Entsprechend haben sie ihren „Werkzeugkasten“ modifizieren müssen. Generell haben sie dem Objekt mehr Rechte zugeschrieben als sich selbst. Im Bereich der Selbstwahrnehmung zeigen sich häufig deutliche Einschränkung im Bereich der Unterscheidung zwischen Gefühlen (Affektdifferenzierung), der Selbstreflexion und besonders ausgeprägt der Identität. Entsprechend verhält es sich bei anderen Werkzeugen wie der emotionalen Kommunikation sowie der Bindung. Die in diesem Bindungsmuster enthaltene Fokussierung auf das Objekt führt dazu, dass die betroffene Person „sich aus dem Auge verliert“. Wenn ich keine Vorstellung von meinem Gefühlsleben noch von meinen Bedürfnissen und Wünschen habe, so ist folgerichtig der Bindungspartner im Fokus. Dies führt fälschlicherweise zu einer Objektwahrnehmung, die selten der Realität entspricht. Der Bindungspartner-das Objekt-wird „überwertig“. Nicht selten werden deswegen die Objekte (insbesondere die Eltern) entweder idealisiert oder entwertet. „Graustufen“ dazwischen werden nicht wahrgenommen. Die emotionale Kommunikation nach außen erscheint vorsichtig und behutsam und entspricht nicht annähernd dem wirklichen Erleben der betroffenen Person. Wird diese gefragt, weswegen sie sich so vorsichtig verhält, zeigen sich häufig Fantasien über Trennungsängste. Diese sind es schließlich auch, die den Blickwinkel an einem sehr bedeutsamen Werkzeug einschränkt: der Empathie (Einfühlungsvermögen). Unsicher-vermeidende Personen behaupten nicht selten, sie hätten ein gutes Einfühlungsvermögen und wüssten deswegen gut, was der Bindungspartner bräuchte. Tatsächlich zeigt sich regelhaft eine deutliche Einschränkung des Einfühlungsvermögens, die dadurch begründet ist, dass die betroffene Person Empathie und Identifikation verwechselt. Der unsicher-vermeidenden Bindungsstil bringt nicht selten die betroffene Person dazu, sich mit seinem Bindungspartner zu identifizieren, mit dem Ziel, seine Wünsche „von den Lippen ablesen zu können“. Empathie setzt allerdings die Fähigkeit, das Werkzeug, voraus, sich als gleichberechtigte Beziehungspartner „auf gleicher Augenhöhe“ zu begegnen. Dies ist bei Individuen mit einem unsicher-vermeidenden Bindungsstil eher selten, die Beziehung ist häufig komplementär (heißt: sie beruht nicht auf Gleichheit, sondern Unterschiedlichkeit in Anlehnung zur „komplementären Kommunikation“ nach P. Watzlawick. Näheres https://lexikon.stangl.eu/12301/komplementaere-kommunikation ). Um dem Gefühl der Leere zu entgehen, findet sich nicht selten ein „klammerndes“ Verhalten in Beziehungen. Das Gefühl der Leere liegt häufig darin begründet, dass die betroffene Person zu wenig positives Beziehungserleben erfahren hat. Positive Beziehungserfahrungen sind allerdings der Schlüssel dazu, um in Notsituationen (unter Stress) auf sinnvolle, angemessene und erfolgversprechende Lösungen zurückgreifen zu können.

Der unsicher-vermeidende Bindungsstil hat natürlich auch Konsequenzen für die Beziehung zwischen Klient und Therapeut. Da der Psychotherapeut im Gegensatz zu anderen (zum Beispiel zum Bindungspartner des Betroffenen) die oben genannte klassische Erwartungshaltung kennt, kann er adäquat auf die mit diesem Bindungsstil verbundenen Glaubenssätze reagieren und intervenieren. Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Therapie ist vor allem in der Bewusstwerdung der Enttäuschungen und der damit verbundenen (seelischen) Schmerzen sowie die Aufdeckung aller Mechanismen, die der Klient (unbewusst) dafür einsetzt, um nicht von seinen Anpassungsleistungen/Glaubenssätzen lassen zu müssen, zu finden.

 

Dysfunktionale Denk – und Verhaltensmuster sind konsequente Folgerungen aus Glaubenssätzen (s. "Wesentliche Aspekte von Glaubenssätzen"). Sie sind überwiegend unbewusst (“die rechte Hand weiß nicht, was die linke tut”). Sie verhalten sich zu den Glaubenssätzen “kreisförmig”, das heißt, sie bestätigen sich gegenseitig.

Wenn ich z.B. der Überzeugung bin, dass mich keiner mag oder sich nicht für mich interessiert, dann werde ich unbewusst dafür Sorge tragen, dass dies auch so eintritt (was auch gern als “Selbsterfüllende Prophezeiung” bezeichnet wird). Ich werde mich anderen Menschen gegenüber zurückhaltend verhalten, verschlossen sein oder gar zurückweisend. Dies führt dazu, dass der Gegenüber sich tatsächlich (häufig nach mehrfacher Frustration) nicht mehr interessiert und den Glaubenssatz dadurch bestätigt. Konsequenterweise nimmt der Betroffene dies als fehlendes Interesse der Umgebung an seiner Person wahr. Er überprüft hier den Blickwinkel des Anderen nicht, wozu er sich mit diesem identifizieren müsste oder reflektiert auch seine Sicht der Dinge nicht, was als Verleugnung bezeichnet wird. Er sieht seine Situation als gegeben an oder geht davon aus, dass er Opfer der Umstände sei. Dieses fatalistische Denken ist mit ein Grund, weswegen Menschen so schwer aus ihrer Depression herauskommen. Wie könnte man einem “Opfer” unterstellen, seine “Finger im Spiel” zu haben? Diese Menschen erleben es eher als Unverschämtheit, dass jemand auf die Idee kommt, ihm eine Absicht zuzuschreiben. Tatsächlich steckt in dem Glaubenssatz auch eine Art “Motor”, quasi die Motivation, immer und überall in der Außenwelt seinen “Glauben” bestätigt zu bekommen. Bei genauerer Erforschung stellt sich bei jedem Patienten aber heraus, dass es Ausnahmen von der Regel (Glaubenssatz – dysfunktionales Denkmuster) gibt. Diese werden gern verleugnet, verdrängt oder gar abgespalten. Erst durch vorsichtige Konfrontation mit diesen Ausnahmen fällt dem Betroffenen die Brüchigkeit seiner Gewissheit, seines Glaubenssatzes auf. Unter der Therapie werden die Ausnahmen von der Regel also aufgedeckt (“Realitätsprüfung”). Je nach Persönlichkeit stoße ich damit als Therapeut auf unterschiedlich starke Abwehrformationen. Teilweise wird kurz nach der Aufdeckung sogar wieder das Geäußerte verleugnet. Freud sprach nicht umsonst vom “Durcharbeiten”, was heißt, dass es wiederholter Konfrontation bedarf, damit der Klient erkennt, dass sein Glaubenssatz nicht wahr ist, wahrscheinlich noch nie wahr war! Das Entsetzen darüber oder das Entdecken der tatsächlichen Inszenierung führt üblicherweise zu starker emotionaler Reaktion.

Es gibt verschiedene Strategien in der psychotherapeutischen Arbeit, den psychotherapeutischen Prozess in Gang zu bringen. Hier stelle ich Ihnen die Arbeit mit dem Inneren Kind vor.

 

Der Begriff des Inneren Kindes ist vielen Klienten bereits vor Therapiebeginn bekannt, schon deswegen wohl, weil intuitiv jeder erahnen dürfte, was gemeint ist: der eine nennt es “meine innere Stimme“, „die Stimme in mir” oder „mein Bauchgefühl“. Es ist das, was fernab vom logischen Denken in uns existiert oder anders ausgedrückt, die Irrationalität jeder Persönlichkeit per se darstellt.

Dennoch möchte ich hier ein paar kurze Anmerkungen zur Definition hervorbringen:

 1)Das Innere Kind als lebendige Vorstellung, Abbild oder Gedächtnisspur, quasi als Fotografie der ersten Lebensperiode, der Kindheit (“so war ich”)

2)Das Innere Kind als Erlebniswelt, als die Summe aller Impulse, Gefühle und Erfahrungen mit allen seinen Kränkungen, Bestrafungen und Selbstvorwürfen (“das habe ich erlebt”)

3)Das Innere Kind als Bindungspartner, das im Hier und Jetzt nackt und unverhohlen dem Erwachsenen sein Erleben und seine Bewertung präsentiert (“das ist meine Haltung”)

Hier in Anlehnung an die Freud`sche Triebtheorie am ehesten das “ES

4)Das Innere Kind als Ressourcenquelle (“das sind meine Pfeiler”)

5)Das Innere Kind als Äquivalent zu allen ersehnten, aber nicht gelebten Bedürfnissen und Wünschen (“das hätte ich gern”)

 

Voraussetzungen für die Arbeit mit dem Inneren Kind sind:

a)ausreichend Fantasie und Vorstellungskraft

b)ausreichende psychische Stabilität (eine schwere depressive Episode oder eine ausgeprägte Angststörung stellt eine Kontraindikation dar)

 In einem ersten Schritt werde ich Sie als Psychotherapeut auffordern, sich in zwei Personen zu denken (zu spalten): das “Erwachsenen Ich” und das “Kind Ich” (im folgenden Inneres Kind). In einem zweiten Schritt folgt dann die Aufnahme eines Dialogs zwischen Ihnen und Ihrem Inneren Kind, zwischen Psychotherapeut und Ihnen oder auch zwischen Psychotherapeut und Ihrem Inneren Kind. Dabei geht es nicht nur um das Erkunden der Erlebniswelt des Inneren Kindes, sondern auch und vor allem um den Umgang des Erwachsenen mit dem Inneren Kind und umgekehrt. Da ich mit der Bindungstheorie (s. dort) arbeite, findet sich häufig hier bereits schon der Ausdruck des gesamten Krankheitsgeschehens. Denn der Schlüssel zu diesem Vorgehen ist so einleuchtend wie auch einfach: Sie als Klient gehen häufig mit Ihrem Inneren Kind genauso (z.B. desinteressiert) um, wie ursprünglich ihre Eltern/Vater/Mutter als Erwachsene mit Ihnen (z.B. desinteressiert) umgegangen sind. So werde ich Sie in einem dritten Schritt bitten, sich jeweils in die eine wie in die andere der beiden Personen hineinzufühlen. Dieser Switch kann relativ mühsam sein, da sich meistens aus Richtung des Erwachsenen Ich eine Art Sperre (in der Psychotherapie als Widerstand bezeichnet) zeigt, um eben nicht in die Erlebniswelt des Inneren Kindes vorzudringen. Dieser Widerstand ist eine Art Schutz, um das Nachaußendringen von unangenehme Gefühlen (z. B. seelischer Schmerz des Inneren Kindes) in die Erlebniswelt des Erwachsenen zu verhindern. Gleichzeitig ist allerdings die Verbindung der beiden miteinander die Lösung der Schwierigkeiten in der Beziehung und damit Ihres Krankheitsgeschehens. Anders ausgedrückt: Kommen Ihr Inneres Kind und Sie zusammen, ist bereits ein großer Schritt im psychotherapeutischen Prozess vollzogen. Das Ziel nämlich ist, dass Sie Verständnis für das Erleben und das Erlebte Ihres Inneren Kindes erfahren. In einem letzten Schritt gilt es dann nach Ihrem Inneren Kind zu gucken, in wiefern es nun Vertrauen zu Ihnen als Erwachsenen gefasst hat. Sollte dieses noch nicht erreicht sein, wiederholen sich die letzten Schritte so lange, bis das Ziel erreicht ist:

 

 1)Verständnis (Verständnis meint hier ausdrücklich das umfangreiche Verstehen einschließlich des Einfühlenkönnens) des Erwachsenen in das Innere Kind und

2)Vertrauen des Inneren Kindes in den Erwachsenen

 Nebenbei:

Es gibt ein organisches Korrelat, was unter der Arbeit mit dem Inneren Kind profitiert: die Verbindung zwischen dem limbischen System (Inneres Kind) und dem präfrontalen Kortex (Erwachsenen Ich). Durch den psychotherapeutischen Prozess werden neue Verbindungen zwischen diesen beiden Zielorten geknüpft, erneuert bzw. alte intensiviert.

 

 

 

 

Seelische Störungen haben eine Funktion, einen Sinn, einen Zweck, eine Absicht

Oder auch eine Dysfunktion, also Fehlfunktion, weil das Ergebnis mit der Inkaufnahme von Beschwerden/Symptomen, ja durchaus schwerwiegenden Erkrankungen einhergeht. Dies werde ich im Folgenden erläutern.

Soweit ich weiß, habe ich diesen Gedankengang, dass psychische Störungen einen Sinn haben, in dieser Form noch nie so klar beschrieben. Nicht zuletzt spreche ich damit wieder einmal etwas an, was allgemein kein Kulturgut unserer Gesellschaft sein dürfte. Denn "Kranksein" (und damit sind nicht explizit nur körperliche Störungen oder Erkrankungen gemeint) wird hier zulande als einen ohne eigenes Verschulden entstandenen, bemitleidenswerten, unfreiwilligen und vor allem unerwünschten körperlichen, seelischen oder geistigen Zustand verstanden.

Ohne eigenes Verschulden? Nun, wer genauer hinsieht, entdeckt, dass viele, vielleicht sogar die meisten Erkrankungen "hausgemacht" sind. Ein Großteil der Herz-Kreislauf Erkrankungen wird durch zu fettreiche, wenig ballaststoffreiche Ernährung, durch fehlende körperliche Bewegung und Nikotinabusus hervorgerufen. Die Zuckerkrankheit ist häufig durch die o.g. Lebensweise bedingt, die COPD (chronisch verengende Bronchitis) durch so gut wie nur das Rauchen. Selbst das Bronchialkarzinom findet sich am häufigsten als Folge eines langjährigen Nikotinabusus.

Wenn ich denn nun das eigene Verschulden am eigenen Leid enttabuisiere, so werde ich dies auch hinsichtlich des angeblichen unfreiwilligen und unerwünschten Zustandes tun. Denn – wie ich schon in einem früheren Vortrag erwähnte – hat der Rentenversicherungsträger als einer der ersten Institutionen den Begriff des "sekundären Krankheitsgewinns" formuliert, was bedeutet, dass hinter einem Zustand einer seelischen Erkrankung auch eine Absicht stecken kann. Also lag somit schon vor Jahrzehnten ein in unserer Gesellschaft als Tabu zu bezeichnendes Thema auf dem Tisch. Umso erstaunlicher, dass dieses Thema dennoch ein Tabu in unserer Gesellschaft darstellt. Es findet m.E. keine Debatte über Menschen in unserem Land statt, die sich durch ihre Erkrankung bewusst oder unbewusst erhoffen, berentet bzw. aus dem Arbeitsleben herausgenommen zu werden. Und diese Zahl dürfte nach meiner Einschätzung groß sein.

Doch nun wieder zurück zu dem Sinn und der dahinter verborgenen Absicht seelischer Störungen.

Dazu folgender Gedankengang:

wir Ärzte und Psychologen pflegen die "Freud`sche" Kultur, dass jeder Erkrankung eine Ursache zugrunde liegt. Wir sprechen von Ätiologie. Befremdlich erscheint hingegen die Überlegung, dass eine Erkrankung nicht eine Ursache, sondern ein Ziel verfolgt, also intentional gedacht werden muss. (So dachte übrigens schon Alfred Adler, ein Mitschüler von Sigmund Freud. Während Freud die Psychoanalyse begründete, entwickelte Adler die Individualpsychologie). Heute wissen wir, dass Erkrankung nicht nur eine Ursache haben, sondern auch intentional gerichtet sein kann, insbesondere da, wo sie ihre psychosomatische oder psychische Natur offenbart. Grundlage bildet dabei das Wissen, dass das Handeln des Menschen immer motiviert ist, einer Absicht folgend. Diese Motivation kann bewusst, nahe bewusst oder unbewusst sein. Je ausgeprägter und unbeweglicher (wir sprechen in der Psychologie von "rigide") eine Person in ihrer Gewissensbildung (Über-Ich) ist, je mehr Tabu`s bestehen, um so mehr müssen insbesondere aggressive und sexuelle, gesellschaftlich "verwerfliche" Motivationen in das Unbewusste "abtauchen". In der Folge "weiß die rechte nicht, was die linke (Hand) tut."

 

Beispiele:

 

1)Eine Patientin kommt wegen Ängsten und Unruhe in die Praxis. Sie fühle sich niedergeschlagen und interessenlos nachdem sie erfahren hätte, dass ihr Sohn nach anfänglichem Erfolg den Schulabschluss doch nicht erreichen würde. Auf Nachfrage erfahre ich weiterhin, dass der Ehemann für die Patientin überraschenderweise in den Vorruhestand gehen und nun erwarten würde, dass die Ehepartner reisen und das Rentendasein genießen. Die Patientin wird in der Folge zunehmend depressiv, sucht die Ursache ihrer Beschwerden in der Vergangenheit und meint dort auch einen Grund gefunden zu haben. Doch es ändert sich nichts an ihrer Situation. Erst nachdem verständlich wird, dass die Patientin sich durch den Vorruhestand des Ehemannes und des nun notwendigen längeren Schulbesuches und damit der Abhängigkeit des Sohnes vom Elternhaus in ihrer so ersehnten Autonomie (Selbständigkeit) bedroht fühlt, ergibt sich ein rundes Bild: die Ängste und Depression dienen hier dem Zweck, die für die Patientin "verwerflichen Inhalte" (sich um ihre eigenen Bedürfnisse zu kümmern, sich gegen den anderen zu stellen oder durchzusetzen) zu vergessen und die Angehörigen vor der Wut der Patientin (die sie als destruktiv phantasiert) über den drohenden Verlust der Autonomie zu schützen. Gleichzeitig sorgt die depressive Patientin auf diese Weise dafür, dass "man Rücksicht nimmt und Verständnis hat." Ihr ist ihre eigene Aggressivität, die dadurch kenntlich wird, dass der Ehemann nun nicht mit der Patientin reisen kann, er gar daran gehindert wird, nicht bewusst. Sie erreicht beim genauerem Hinsehen sogar ein Stück Autonomie, in dem ihr Partner sie "in Ruhe" lässt. Würde Sie sich des Konfliktes bewusst sein, würde sie ihre Wut äußern, kann sie davon ausgehen, dass es Auseinandersetzungen mit dem Partner und dem Sohn geben würde, in dessen Folge die Beziehung in Frage gestellt werden könnte.

 

2)Eine weitere Patientin stellt sich ebenfalls mit Symptomen einer Depression in der Praxis vor. Die Krankheitsgeschichte ergibt, dass der Beginn der Beschwerden noch gar nicht solange zurück liege. Nach mehreren Gesprächen wird der Auslöser der Patientin klar: der Ehemann sei in Rente gegangen. Dieser sei jemand, der von der Patientin verlangen würde, dass diese ihn bei allen geschäftlichen Angelegenheit zu begleiten wünscht. Der Patientin ist dies allerdings zuwider, sie interessiere sich nicht für dessen Geschäfte. Sie könne sich gegen seine Forderung, ihn zu begleiten, nicht wehren. Hier wird zum Zeitpunkt des Rentenbeginns die Depression notwendig, weil nun die Erwartung des Ehemannes an die Patientin ein Maß überschreitet, dass die Patientin nicht ertragen könne. Für die Patientin ist jedoch das Weigern so schuldbehaftet, dass sie depressiv werden muss. Durch die Depression erreicht sie dann das, was im vorigen Fall bereits beschrieben wurde: sie muss nun den Ehemann nicht mehr begleiten, weil dieser wegen der Depression von der Patientin nicht verlangen kann, dass sie ihm zur Seite steht. Die Depression ist quasi die Legitimation für die Weigerung.

 

3)Ein weiterer Patient klagt über Freud – und Lustlosigkeit, Antriebsarmut und Traurigkeit. Gleichzeitig bestehen Ängste. Aus der Krankheitsgeschichte wird früh ersichtlich, dass der Patient sich schlecht durchsetzen kann, ja sogar unterwürfig erscheint. Wenn die Partnerin etwas verlangen würde, setze er das mit Murren, aber auch sofort um. Auf die Frage, warum er sich nicht zur Wehr setzen würde, äußert er betrübt, dass ihm der Mut fehlen würde. Im Verlauf der Therapie werden alle Register gezogen, allerdings alles ohne Erfolg. Erst als klar wird, dass der Patient vor seinem eigenen Gewissen aufgrund massiver Schuldgefühle nicht aufbegehren darf, kommt eine böse Ahnung auf. Immer wieder zeigen sich nämlich Situationen, in denen er sich indirekt gegen die Forderung der Ehefrau stellt. So geht er mit der Tochter – obwohl von der Partnerin abgelehnt – aufgrund eines Sprachfehlers zur Logopädie. Aber nur dann, wenn die Frau aufgrund einer Dienstreise nicht anwesend ist. Die Erfolglosigkeit der Therapie findet schließlich genau darin ihre Ursache: die Partnerin hält nichts davon, dass der Patient sich regelmäßig psychotherapeutisch behandeln lässt. Der Patient braucht die Sitzungen unter dem Vorwand, dass er seine Depression und Ängste behandelt. Ihm ist nicht bewusst, dass er so sich gegen die Herrschaft der Frau stellt und aufbegehrt. Er kann hier mit "reinem Gewissen" seine wirklichen Motive leugnen. Als "Nebenbeieffekt" ärgert sich die Ehefrau, womit er sein Ziel, den Ärger über die Unterwerfung zu äußern, erreicht. ("Die rechte Hand weiß nicht, was die linke tut").

 

Haben Sie noch Fragen? Schreiben Sie mir!

Wesentliche Aspekte von Glaubenssätzen

 

  • Glaubenssätze sind Gewissheiten, Überzeugungen, über die der Einzelne gar nicht „groß“ nachdenkt. Sie sind überwiegend unbewusst oder nur teilweise bewusst. Sie sind so selbstverständlich „wie das Amen in der Kirche"

 

  • Ihren Ursprung finden wir in der Geschichte jedes einzelnen Menschen. Sie sind das Ergebnis eines suboptimalen zunächst bewussten (was übrigens einen Zugang zu der Behebung deren genutzt werden kann) Anpassungsprozesses des Menschenkindes an seine Umgebung, insbesondere des familiären Umfeldes. Erst mit dem Fortschreiten der Entwicklung und damit der Kindheit wird dieser Anpassungsprozess und die damit verbundenen Glaubenssätze unbewusst, sie werden Bestandteil eines Automatismus, so wie wir beim Gehen und Fahrradfahren nicht mehr darüber nachdenken, wie wir Schritt für Schritt machen oder das Gleichgewicht halten müssen

 

  • Jeder Mensch hat mindestens einen Glaubenssatz

 

  • Typisch an Glaubenssätzen sind deren absolute und scheinbar unwiderrufliche Gesetzmäßigkeit. Sie wird nicht in Frage gestellt und „logischerweise“ gehen wir deswegen bei Problemen oder Konflikten genau so vor, wie die Glaubenssätze uns es „weismachen“: wie wir es immer gemacht haben, sind wir überzeugt, sei es immer richtig gewesen. Das Ergebnis früherer Konfliktlösungen, die auf einem Glaubenssatz beruhen, wird nicht überprüft oder nach Alternativen gesucht

 

  • Glaubenssätze führen unweigerlich zu einer Erwartungshaltung, die die Wahrnehmung verzerrt. Dabei ist uns auch diese Wahrnehmungsverzerrung nicht bewusst. Wir können sie aber als Außenstehende erahnen oder daran erkennen, dass der Betroffene scheinbar „stur“ an etwas festhält oder „starrsinnig“ Aspekte ausblendet, die offensichtlich eine Lösung behindern. Diese Erwartungshaltung findet seine Begründung darin, dass der Betroffene sein Augenmerk auf die Bestätigung des Glaubenssatzes legt und Aspekte, die dem Glaubenssatz nicht entsprechen aus der Wahrnehmung und schließlich aus dem Gedächtnis löscht

 

  • Glaubenssätze sind mächtig und zwar so mächtig, dass Menschen im Gesunden selten bereit sind, diese aufzugeben, obwohl deren Begrenztheit offensichtlich erscheint. Dies ist ein ganz wesentlicher Aspekt, der erklärt, weswegen Menschen erst in seelischer Not bereit sind, ihre Glaubenssätze in Frage zu stellen

 

 

Beispiele:

 

wenn ich mich öffne und meine Schwächen zeige, fallen ich dem anderen zur Last“

wenn ich mich mit meinen Wünschen offenbare, stelle ich fest, dass der andere nicht wirklich an mich interessiert ist“

wenn ich mich nicht zu 200% einsetze, nimmt mich der andere nicht wahr“

wenn ich mich echt zeige, bin ich für den anderen nicht zu ertragen oder auszuhalten“

wenn ich nicht die Rolle des Kaspars spiele, sind die anderen traurig oder missgestimmt“

wenn ich nicht laut genug schreie, hört mich keiner“

Wenn ich Position beziehe, gehe ich davon aus, dass der andere mir böse ist oder mich zurückweist”

wenn ich mich mit jemanden auseinandersetze, ziehe ich immer den Kürzeren”

egal, wie ich mich auch anstrengen mag, ich kriege es nicht hin”

wenn ich alles allein schaffe, dann brauche ich keinen und mich kann keiner verletzen”

wenn ich Trost suchen würde, würde ich mich klein fühlen und bedürftig erleben”

ich habe mich nie entwickelt, und weil ich mich nie entwickelt habe, bin ich auf Gedeih und Verderb von der Willkür des anderen abhängig“

 

Wie Sie unweigerlich an den Glaubenssätzen erkennen, haben diese für das Denken, Handeln und Fühlen Konsequenzen. Wenn Sie z.B. denken, dass Sie jemanden zur Last fallen, wenn Sie sich öffnen, hat das zur Folge, dass sie sich eben nicht offenbaren. Sie haben dann zwar die Bestätigung, dass Sie vielleicht dem anderen nicht zur Last fallen, gleichzeitig machen Sie aber nicht die wichtige Erfahrung, dass es anders sein kann, dass Sie z.B. dem anderen eben nicht zur Last fallen oder Ihnen sogar Interesse entgegen gebracht wird. Insofern sind Glaubenssätze Mauern, die Sie hindern, neue Erfahrungen zu machen. Die aus ihnen folgenden Konsequenzen mit der Folge der Erwartungen an die Außenwelt nennen wir „Dysfunktionale Denk - und Verhaltensmuster“ (s. Beitrag)

 

Haben Sie Fragen? Senden Sie mir eine E-Mail!