Ansgar Hantke

allgemeinmedizinisch-psychotherapeutische Praxis

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Auch wenn Perfektion der Wunsch und das Ziel der meisten Menschen ist, so gehört das

Scheitern und Versagen zu uns wie die Wolken zum Himmel. Der Mensch scheint ein fehlerbehaftetes Wesen zu sein und so mancher fragt sich, welche Ursache dahinterstecken könnte. Ich behaupte-und damit stehe ich nicht allein-, dass wir Fehler machen müssen, ja sogar Versagen in unserem Leben brauchen. Diese für sie vielleicht spontan nicht nachvollziehbare Äußerung will ich im folgenden erläutern.

Für die meisten von ihnen dürfte es keine neue Erkenntnis sein, dass Fehler in der Geschichte der Menschheit mit Evolution zu tun hat. Um im Kampf ums Überleben zu bestehen, bedurfte und bedarf es nicht nur beim Menschen Strategien. Dabei sind die einen erfolgreich, die anderen nicht. Neben dem Menschen sind auch alle anderen Lebewesen auf diesem Planeten der Selektion und den Anpassungsprozessen unterworfen. Wer sich nicht ausreichend oder schnell genug auf die sich stetig verändernde Umwelt (z.B. Klimawandel) einstellen kann (also keine erfolgreiche Strategie besitzt), verschwindet unwiderruflich in der Historie (so z.B. der Neandertaler).

Aber warum hole ich soweit aus? Einfache Antwort: Evolution fand bereits vor 20.000 Jahren genauso wie heute in unserem Kopf statt! Der Kern des „Problems“ ist häufig „reine Kopfsache“. Das muss ich erklären. Die Auswirkungen unserer Fehlerhaftigkeit zu Beginn der Menschheitsgeschichte dürfte so gravierenden Schaden zur Folge gehabt haben, dass die Notwendigkeit (im wörtlichen Sinne „Not“) bestanden haben dürfte, diese häufig tödlich endenden Situationen (z.B. statt den weglaufenden Artgenossen im Herdentrieb zu folgen, stehen bleiben und abwarten, was aus dem Gebüsch gerannt kommt: der Tiger) zu verhindern. Das ist enorm wichtig, zu wissen. Denn aus diesem „Bestreben“ resultierend, dürfte über Jahrtausende hinweg Veränderungen in dem noch damals jungen menschlichen Gehirn stattgefunden haben, mit dem Ziel, lebensgefährliche oder bedrohliche Lebenslagen rechtzeitig zu erkennen. Mittlerweile wissen wir, dass diese Veränderungen einen besonderen Bereich unseres Gehirn betroffen haben, nämlich das Zwischenhirn (auch gern als „Reptilienhirn“ bezeichnet). Im Zwischenhirn ist es eine unser Thema betreffende funktionelle Einheit, das limbische System (unten folgt eine Erklärung). Funktionell bedeutet hier, dass unterschiedliche anatomische Strukturen beteiligt sind, die aber auch andere Aufgaben haben, nicht nur die Fehlererkennung. Dem limbischen System obliegt allerdings als primäre Aufgabe, Fehler rechtzeitig zu detektieren und durch rasches Handeln zu vermeiden. Ein Ort also, wo jegliche Fehlerhaftigkeit (Ziel: Perfektion) versucht wird, zu beseitigen.

Anatomisch gehören folgende Strukturen zum sogenannten limbischen System:

Hippocampus, Fornix, Corpora mamillaria, Gyrus cinguli, Amygdala, Thalamus etc.

Im limbischen System geht es um die Verknüpfung von Erleben (Emotionen), Erfahrungen (Gedächtnis) und Verhalten (Handeln). Hier wird entschieden, was (emotional) wichtig oder unwichtig ist, was ins Kurzzeit-oder ins Langzeitgedächtnis kommt, was nach Erfolg oder Misserfolg aussieht, was Angst-, Scham-oder Schuldgefühle hervorrufen könnte, ob ich sofort reagieren muss oder nicht.

Sigmund Freud (der Begründer der Psychoanalyse, Psychotherapie und ersten Entwicklungspsychologie) hätte aus heutiger Sicht gesagt: das limbische System ist der Ort, wo abgespeichert ist, was Lust und Unlust auslöst. Leider wird aber an diesem Ort diese Unlust (Angst) schnell mit dem Handeln verknüpft, was zur Folge hat, dass wir uns nur sehr schwer unseren Ängste und Befürchtungen stellen und stattdessen lieber weglaufen! Und hier haben wir bereits das entscheidende Dilemma:

Stelle ich mich der Angst oder Unlust und mache durchaus Fehler, aber eventuell auch neue Erfahrungen, und entwickele ich mich weiter

oder

meide ich die Angst oder Unlust und wiege mich in Sicherheit (wozu unser limbisches System uns gerne drängt) und verändere lieber ich nichts“

Dass auch Ärzte von dieser "eigentümlichen" Krankheit (weil es diese als eigenständige Erkrankung noch nicht gibt) befallen werden, ahnte jeder, hoffte aber keiner. Vor allem die Ärzte selber nicht. Schließlich erwartet die zu versorgende Bevölkerung, dass Ärzte "Gewehr bei Fuß" und immer fit sind, um anderen zu helfen. Dass Ärzte selbst Hilfe brauchen, ist in unserem Lande noch ein Tabu Thema. In den Vereinigten Staaten ist das kein Geheimnis, weswegen jedes Jahr eine Befragung der Mediziner stattfindet. Hier zeigt sich seit mehreren Jahren, dass etwa 50% der Ärzte an einem Burn-out leiden. Befragt nach den Ursachen, so ist - nicht verwunderlich - die überbordernde Bürokratie an erster Stelle zu nennen. Daneben natürlich auch die - vor allem im stationären Bereich - wenig gesundheitsfördernden Arbeitszeiten. - Den überwiegenden Anteil am Burn-out nimmt allerdings die Führung der elektronischen Patientenakten ein, so das Resultat der Untersuchung. Das ist für die Mediziner in Deutschland in sofern wichtig, weil Herr Spahn die Umsetzung der elektronischen Patientenakte auch hier in Deutschland plant und bereits im TSVG ankündigt. Dokumentationen sind für den Arzt gleichwohl hilfreich wie verpflichtend. Wie die Führung der Patientenakte dann im Einzelnen aussehen soll, steht noch nicht fest. Aber gewiss ist da viel Platz nach oben. Und die Deutschen sind ja schon immer für ihre Genauigkeit bekannt (durchaus im negativen Sinne gemeint). Also: Burn-out bei Deutschen Ärzten ist angekündigt!