Ansgar Hantke

allgemeinmedizinisch-psychotherapeutische Praxis

Öffnungszeiten

Montag bis Donnerstag 08:00 - 12:00 Uhr
Dienstag    16:00 - 18:00 Uhr

Mittwoch Telefonsprechstunde

13:00 - 13:30 Uhr

NEU! Patienten OHNE Termin kommen bitte zwischen 11:30 und 12:00 Uhr (montags, mittwochs und donnerstags) oder Dienstagnachmittag zwischen 17:00 und 18:00 Uhr in die Akutsprechstunde 

Die Fachgesellschaften (Kardiologie, Pneumologie, Schmerzmedizin usw.) haben Handlungsempfehlungen herausgegeben, die den Ratsuchenden als Hilfe dienen sollen:

1)Onkologie: ein Aussetzen oder Verschieben einer Krebstherapie wird nicht empfohlen. Eine effektive Behandlung des Tumors stelle in den meisten Fällen die Bedingung, das Überleben der Patienten zu sichern. Weiterhin könne ein Absetzen gut eingestellter Patienten zu unerwünschten Ereignissen wie eine deutliche Verschlechterung der Situation herbeiführen.

2)Kardiologie: jegliche Art von Infektionen (also auch virale) bedeuteten eine zusätzliche Belastung des Herz-Kreislaufsystems. So käme es bei kardiologisch erkrankten Patienten, die aufgrund einer Coronainfektion einer Therapie in der Klinik bedürften, in 16,7% der Fälle zu Herzrhythmusstörungen und bei 7,2% zu akuten Herzschädigungen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen - so zeigten die neuesten Erfahrungen - wie Bluthochdruck, Vorhofflimmern, Koronare Herzkrankheit (KHK) usw. gingen mit einem höheren Sterblichkeitsrisiko einher.

In diesem Zusammenhang sei auch darauf hingewiesen, dass er derzeit keine belastbaren Daten gibt, die zeigen würden, dass zwei bestimmte Klassen von Bluthochdruckmedikamenten - nämlich ACE - Hemmer (z.B. Enalapil, Ramipril) und AT2 Rezeptorblocker (z.B. Losartan, Candesartan) - die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit dem Coronavirus erhöhen. Die Empfehlung lautet hier, die Bluthochdruckmedikation weiter einzunehmen, um das Risiko für eine akute Schädigung durch einen ungenügend eingestellten Blutdruck zu vermeiden.

3)Pneumologie: Patienten mit Asthma sollten eine dem individuellen Bedürfnis angepasste Therapie fortführen. Dabei bildeten weiterhin Corticoide (Budesonid, Beclomethason, Fluticason etc.) die Basis der Behandlung beim Asthma. Ein Absetzen des Cortisons verschlechtert im Allgemeinen das Asthma und erhöht das Risiko, bei einer zusätzlichen Infektion mit einem Virus (z.B. Corona) schwer zu erkranken.

4)Schmerztherapie: es gibt bisher auch bezüglich der Therapie mit Ibuprofen keine belastbare Daten, die darauf hinwiesen, dass eine Gefährdung, an einer Coronainfektion zu erkranken, durch die Einnahme zunehmen würde.

01.03.20: Angesichts der zunehmenden Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV2 haben wir hier einen Link installiert, der Sie mit den nötigen Informationen des Robert-Koch-Instituts versorgt: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/nCoV.html

Darüberhinaus gelten alle Maßnahmen des Infektionsschutzes, die Sie (wie u.a. in der Grippesaison üblich) einhalten sollten:

https://www.infektionsschutz.de/hygienetipps/

Sollten Sie den Verdacht haben, Sie oder ein Angehöriger könnte infiziert sein (weil Sie Kontakt zu einer infzierten Person gehabt oder sich in einem Risikogebiet befunden haben), bitte NICHT in die Praxis kommen, sondern sich bei dem Gesundheitsamt Gifhorn melden:

Tel. 05371/82-702, Fax: 05371/82-358, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Ein begründeter Verdacht besteht, wenn...

1)Sie Beschwerden wie bei einem grippalen Infekt mit/ohne Fieber haben UND Kontakt zu bestätigtem COVID-19-Fall bis max. 14 Tage vor Erkrankungsbeginn

2)Sie Beschwerden wie bei einem grippalen Infekt mit/ohne Fieber haben UND Aufenthalt in einem Risikogebiet (bestimmte Regionen in China, Iran, Südkorea, Italien) bis max. 14 Tage vor Erkrankungsbeginn

Des Weiteren ein Mittel gegen die potentielle Hysterie:

  • was häufig ist, ist häufig, was selten ist, ist selten: zu dieser Jahreszeit sind die meisten Menschen mit grippalen Symptomen durch harmlose Viren infiziert und nicht mit dem Coronavirus
  • die meisten Patienten entwickeln durch das Coronavirus nur milde Symptome (Grippeähnlich: Fieber (85%), Husten (80%), Glieder - und Muskelschmerzen, Übelkeit, Durchfall
  • spezielle Schutz-Maßnahmen sind bei a) älteren und alten Menschen sowie bei b) Menschen mit Vorerkrankungen (Herzschwäche, Nierenschwäche, chronische Lungenerkrankung usw.) notwendig. Aber erst, wenn es Verdachtsfälle in der Umgebung gibt
  • in den meisten Fällen (falls ein Verdacht besteht) wird das Gesundheitsamt Sie bitten, 14 Tage zuhause zu bleiben (Quarantäne)
  • das Virus ist außerhalb des Körpers nur zeitlich begrenzt überlebensfähig. Eine Ansteckung findet entweder über direkten Körperkontakt oder durch Anhusten oder Anniesen statt. Darüber hinaus gibt es KEINE bekannten Ansteckungswege (z.B. über unbelebte Produkte wie Koffer, Paket, Brief)
  • Stand 22.03.20: es wird davon ausgegangen, dass nur ca. 60% der Infizierten symptomatisch werden. 40% entwickeln keine Symptome und spielen deshalb bei der Übertragung des Virus keine Rolle!
  • Stand 29.03.20: nach dem RKI sind infizierte Personen etwa schon zwei Tage vor Ausbruch der Symptomatik ansteckungsfähig

06.03.20: Entgegen der vom Gesundheitsamt lautenden Ansicht, der Hausarzt würde bei Verdacht Abstriche auf das Virus nehmen, tun wir dies ausdrücklich nicht! Wir besitzen weder ausreichend Ressourcen (Schutzkleidung, Masken) noch das Potential, einen Schutzraum einzurichten, wo die Person mit Verdacht auf das Coronavirus zwischenzeitlich untergebracht wird.

Zwischenzeitlich ist ein Testzentrum seit dem 06.03.2020 in Braunschweig eingerichtet worden. Dort werden Abstriche genommen. Allerdings müssen Patienten bevor sie sich dort vorstellen von ihrem Hausarzt dort angemeldet werden.

Also Vorgehen:

Anruf beim Hausarzt -> Rückruf durch den Hausarzt -> Klärung, ob begründeter Verdacht -> wenn ja, dann Anmeldung im Testzentrum Braunschweig

15.03.20: Um die Anzahl potentieller Neuinfektionen mit dem Coronavirus zu verringern, dürfen wir Ärzte ab sofort Patienten mit Erkrankungen der oberen Atemwege (z.B. grippaler Infekt) auf telefonischen Anruf hin krank schreiben. Dabei darf die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bis zu einer Woche ausgestellt werden. Rufen Sie also bei einem banalen grippalen Infekt in der Praxis an, kommen Sie bitte NICHT in die Praxis und wir senden Ihnen die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu.

Hintergrund: kaum eine Arztpraxis besitzt ausreichend Schutzmasken und Schutzanzüge. Das Gesundheitsministerium hat nun die Aufgabe, Praxen damit auszustatten. Wann diese umgesetzt wird, steht in den Sternen. Bisher haben wir Ärzte keine Ahnung, wann die Verteilung der wichtigen Güter stattfinden soll. Bis dahin wird versucht, alle potentiell Infizierten an den Praxen vorbei in sogenannte Testzentren (z.B. Braunschweig, An der Petrikirche, Ärztehaus) zu führen.

17.03.20: Betrifft Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung:

Da kein Arzt im Kontakt mit Ihnen zwischen einem banalen Infekt und einer Corona Infektion unterscheiden kann, bitte ich Sie, zuhause zu bleiben und (wie oben angegeben) eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu ordern. Diese werden wir Ihnen dann per Post zusenden. Bitte sehen Sie auch davon ab, Angehörige oder Bekannte zur Abholung zu schicken. Es geht um den Schutz des Arztes! Falls wir Ärzte ausfallen, können wir nicht mehr für die Regelversorgung und noch weniger für die anstehende Krise Ihnen zur Verfügung stehen.

Seit gestern gibt es von Patientenseite u.a. die Bitte, eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auszustellen, allein aufgrund der Forderung des Arbeitgebers, sich in Quarantäne zu begeben (z.B., weil der Betroffene Kontakt zu einer Person mit Verdacht auf Coronainfektion gehabt hätte). Entsprechend unserer Dachorganisation - der Kassenärztlichen Vereinigung (KVN) - kann diesem Wunsch nicht entsprochen werden, weil der Betroffene keine Erkrankungssymptome aufweist. Vielmehr müssten sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber um eine gemeinsame Lösung bemühen.

KVN: siehe auch https://www.kvn.de/internet_media/Startseite/Corona/Coronavirus+_+Fragen+und+Antworten+der+KVN-p-22847.pdf

Auszug aus dem PDF Dokument:

Q: Der Arbeitgeber eines beschwerdefreien Arbeitnehmers will aus Sorge vor COVID-19, dass dieser 2 Wochen nicht in die Firma kommt, obwohl der Arbeitnehmer sich nicht innerhalb eines vom RKI ausgewiesenen Risikogebietes aufgehalten hat und ohne Kontakt zu einem nachgewiesen Erkranktem oder unbestätigtem Fall war. Er fordert vom Arbeitnehmer die Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (Muster 1), um die finanziellen Folgen von dessen Abwesenheit abzufangen. Kann ich den Patienten krankschreiben?

A: Eine Arbeitsunfähigkeit liegt laut AU-Richtlinie dann vor, wenn der Versicherte auf Grund von Krankheit seine zuletzt vor der AU ausgeübte Tätigkeit nicht mehr oder nur unter der Gefahr der Verschlimmerung der Erkrankung ausführen könnte oder wenn auf Grund eines bestimmten Krankheitszustandes, der für sich allein noch keine AU bedingt, absehbar ist, dass aus der Ausübung der Tätigkeit für die Gesundheit oder die Gesundung abträgliche Folgen erwachsen, die eine AU unmittelbar hervorrufen. Das Vorliegen eines entsprechenden Krankheitszustandes ist also Voraussetzung für die Ausstellung einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Dies sollte im Einzelfall geprüft werden. Die Ausstellung einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aus betrieblichen Gründen des Arbeitgebers ist nicht möglich. 

Q: Kann ich einen beschwerdefreien Patienten krankschreiben, wenn er sich in behördlich angeordneter Quarantäne befindet? Was gilt für beschwerdefreie Patienten mit positivem SARS-CoV-2-Nachweis? Wer ordnet eine Quarantäne an? Coronavirus- Fragen und Antworten der KVN (Stand 17.03.2020, 14.10 Uhr) Seite 3/6

 A: Die Quarantäne wird laut Infektionsschutzgesetz von der zuständigen Behörde angeordnet, hier dem Gesundheitsamt. Wenn bei einem Patienten in behördlich angeordneter Quarantäne keine Symptome bestehen, ist das Ausstellen einer AU-Bescheinigung nicht möglich. Dies gilt auch dann, wenn der Patient positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde. In diesem Fall ist die Entgeldfortzahlung durch den Arbeitgeber über die Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz gesichert. Der Patient reicht dazu den behördlichen Bescheid über die Anordnung der Quarantäne beim Arbeitgeber ein. Der Arbeitgeber wiederum kann sich die Lohnfortzahlung über die zuständigen Behörden, in die Niedersachsen das zuständige Gesundheitsamt, erstatten lassen.

22.03.20: Aufgrund der Corona Pandemie haben wir uns nun entschlossen, die Praxistür geschlossen zu halten und nur eine begrenzte Anzahl von Patienten - nämlich 3 -  in die Praxis zu lassen. Bitte klingeln Sie an der Tür, die Arzthelferin öffnet Ihnen und bittet Sie entweder herein oder fordert Sie auf, noch zu warten oder später zu kommen. Auf diese Art werden wir dem erforderlichen "social distancing" gerecht. Wir bitten um Verständnis für diese Maßnahme.

Des weiteren biete ich ab sofort als Alternative zum Besuch in der Praxis eine Videosprechstunde an. Die Zeiten werden je nach Patientenaufkommen noch bekannt gegeben.

24.03.20: Eine Anleitung, wie Sie über eine Videosprechstunde mit mir in Kontakt treten, finden Sie in der rechten Spalte unter "Aktuelles".

Für Psychotherapiepatienten: Falls Sie aufgrund der Corona Pandemie Befürchtungen haben, in die Praxis zu kommen, können wir zu Ihrem vereinbarten Termin auch über Video in Kontakt treten!

-> Was Sie nachdenklich stimmen sollte: wussten Sie, dass in der Grippesaison 2017/2018 laut Robert-Koch-Institut 28.100 Menschen in Deutschland ihr Leben ließen und 182.000 Menschen labordiagnostisch an einer Grippe erkrankt waren?!

29.03.20: Da bis heute keine Schutzmasken und/oder Schutzanzüge geliefert wurden und die Kassenärztliche Vereinigung zunächst nur Praxen mit nachgewiesenen Covid-19 Fällen versorgt, werden wir weiterhin den Patientenfluss restriktiv behandeln, um uns zu schützen. Das heißt im Einzelnen:

  • mit Beginn des zweiten Quartals wird die Tür weiterhin verschlossen bleiben und nur auf Ihr Klingeln hin geöffnet
  • wir werden nur Patienten, die einen Termin haben, hereinlassen (ausgenommen Notfälle)
  • Patienten für die Akutsprechstunde werden ab 11:30 Uhr nach und nach hineingebeten. D.h., wir werden nur 3 Patienten in der Praxis auf einmal Einlass gewähren (Beachten Sie die geänderten Akutsprechstundenzeiten am Dienstag!)
  • Bestellungen von Rezepten und Überweisungen werden ausschließlich über die folgenden drei Wege möglich sein:

a) Einwurf der Bestellung über den Briefkasten oder

b) Bestellung per Telefon oder

c) per E-Mail 

  • Terminvereinbarungen wie bisher über Telefon oder per E-Mail
  • am ersten Tag (06.04.) nach unserem Urlaub geben Sie uns bitte Zeit, die Bestellungen abzuarbeiten. Rezepte sowie Überweisungen werden wir erst am Folgetag herausgeben!
  • Übergabe von Rezepten und Überweisungen gegen Vorlage der KVK (Versichertenkarte) an der Tür durch eine Mitarbeiterin
  • Patienten mit Infekten (z.B. Erkältung, Magen-Darm) bleiben bitte zuhause und kommen NICHT in die Praxis. Falls Sie eine  Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung benötigen, stellen wir diese Ihnen aus und senden sie zu

04.04.20: Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) haben die Regelung zu telefonischen Krankmeldung von Patienten ausgeweitet: demnach dürfen Ärzte ab sofort Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen aufgrund eines Infektes ("leichte Erkrankung der oberen Atemwege") für bis zu 14 Tage ausstellen! Auch dürfen ab sofort Patienten, bei denen der Verdacht auf eine Coronavriusinfektion besteht, arbeitsunfähig geschrieben werden (was noch vor wenigen Wochen nicht möglich gewesen war).

05.04.20: Erfreuliche Nachricht: endlich sind die solange erwarteten Schutzmasken eingetroffen. Wundern Sie sich also nicht, wenn Ihnen morgen die Mitarbeiterinnen mit Schutzmaske entgegen treten.

17.04.20: Mit dem heutigen Tag stoppt Ministerin C. Reimann die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bei leichten Atemwegsinfekten auf Telefonnruf. Diese nicht nachvollziehbare Entscheidung lehnen wir als Hausärzte ab! Wir besitzen zum jetzigen Zeitpunkt immer noch nicht genügend Schutzausrüstung, insbesondere Schutzmasken, um der (steigenden) Anzahl von Coronapatienten entgegen zu treten. Deswegen wird diese Praxis bis auf weiteres Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen auf Telefonanruf erstellen. (siehe Schreiben des Hausärzteverbandes an die Ministerin rechte Spalte)

21.04.20: Nach Protesten der Ärzteschaft hat die niedersächsische Gesundheitsministerin Reimann den Stopp der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen auf Telefonanruf zurückgenommen. Also dürfen Ärzte weiterhin bei leichten Atemwegserkrankungen Krankmeldungen auf einen Anruf hin ausstellen.

Durchseuchung und Herdenimmunität sind aktuell häufig verwendete Schlagwörter. Sie sollen uns vermitteln, dass wir alle durch diese Krise müssen und Antikörper gegen das Virus benötigen. Da durch die alltäglichen Einschränkungen (Abstandsregel, Maskenempfehlung, Ausgehbeschränkungen etc.) die Ausbreitung des Virus verlangsamt wurde, wird diese Herdenimmunität nicht Monate, sondern Jahre brauchen. Denn wenn schätzungsweise 200.000 Menschen in Deutschland infiziert sind, entspricht dies gerade mal 0,25% der Bevölkerung Deutschlands (bei angenommenen 80.000.000 Einwohnern). Eine Herdenimmunität setzt aber eine Durchseuchung von 60-65% voraus, dies entspricht mehr als 48.000.000 Menschen! Es gibt m.E. bisher keinen Politiker, der dies so klar formuliert hat. Herr Spahn spricht zumindest schon von Monaten, was die Einschränkungen betrifft.

27.04.20: Menschen können wenig mit absoluten Zahlen anfangen. Sie brauchen ein Verhältnis. Was nützt uns die Meldung des Robert-Koch-Institut, dass in Deutschland bis zum heutigen Tag 154.175 bestätigte Fälle (https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/2020-04-26-de.pdf?__blob=publicationFile)(entsprechen bloß ca. 0,2% der Bevölkerung Deutschlands) mit dem Coronavirus existieren, dass ca. 330.000 Testungen in KW 16 durchgeführt wurden und davon ca. 21% positiv waren (https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Testzahl.html)? Noch weniger aussagekräftig wirkt da so manche lokale Zeitung mit der Mitteilung "Im Landkreis 122 Infizierte". Wieviel tatsächlich infiziert sind, weiß keiner, dazu müssten umfangreiche Untersuchungen auch von gesunden Probanden veranlasst werden. Wieviel von den oben erwähnten 122 krank werden, wird im Artikel auch nicht verraten. Alles nur Zahlen, kaum Verhältnisse. Das ist mit ein Grund, weswegen eine große Verunsicherung besteht. Stattdessen können Verhältnisse etwas helfen: Derzeit wird der Anteil der Verstorbenen unter den bestätigten Fällen mit gerade mal 3,7% angegeben. Hiermit kann der Bürger etwas anfangen. Auch, dass 87% der Verstorbenen älter als 70 Jahre waren, im Mittel 82 Jahre. D.h., am häufigsten (nicht immer) ist ein tödlicher Ausgang bei alten Menschen zu finden. Die meisten Infektionen (67%) betrafen jedoch die 15-59 Jährigen. Wichtig: es gibt kein typisches Symptom bei den meisten Patienten (Husten, Fieber, Schnupfen usw.) außer es tritt eine Geruchs - oder Geschmacksstörung auf. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor entsteht durch die noch nicht abgeschlossene Diskussion über die Übertragungswege. Gesichert ist die Tröpfcheninfektion durch Anhusten und Niesen. Alles weitere ist (s. RKI) rein experimentell fraglich: eine Schmierinfektion (über Türgriffe z.B.) oder über Stuhl (fäkal). Zwar scheiden wohl Infizierte bis zu 2 Tage vor Krankheitsbeginn Viren aus. Doch diese müssen ja dann in die  Atemwege gelangen, es reicht nicht aus, die oral aufzunehmen. Zudem ist fraglich, ob diese dann schon vermehrungsfähig sind.

27.04.20: Um sich gegen das Coronavirus langfristig zu schützen, sei das Ziel - so die Wissenschaftler - eine Herdenimmunität zu erreichen. Darunter wird die Beobachtung verstanden, dass ein Keim (Virus, Bakterium usw.) von geimpften bzw. von bereits wieder genesenen Personen durch Antikörperbildung an ungeimpfte nicht übertragen werden kann, weswegen diese automatisch geschützt sind. Bei dem Coronavirus gehen die Wissenschaftler davon aus, dass 60-70% der Bevölkerung die Infektion durchgemacht haben (bzw. geimpft sein) müssen, um dieses Ziel zu erreichen. Dies entspricht 48. - 56.Millionen Menschen der Bevölkerung Deutschlands! Jetzt erahnen Sie, wie lange uns das Thema beschäftigen wird (nicht Monate, sondern Jahre).

29.04.20: Seit wenigen Tage kursiert im web und in den Medien der Hinweis, man könne sich bei bestimmten Erkrankungen (z.B. Asthma) von der Maskenpflicht befreien lassen. Es versteht sich von selbst, dass gerade chronisch kranke Menschen (dazu gehören auch Asthmatiker) die jenigen sind, die in Coronazeiten von einer Maske profitieren. Eine ärztliche Befreiung von der Pflicht ist also vollkommen sinnentleert. Eine Gefälligkeitsbescheinigung - so sehe ich dieses gewünschte Attest - wird von der Praxis deshalb nicht unterstützt.

 01.05.20: "If you are healthy, you only need to wear a mask if you are taking care of a person with COVID-19", schreibt die Weltgesundheitsorganisation. Das massenhafte Tragen einer Maske gleicht also eher einer Bevölkerungsneurose, die Sinnhaftigkeit ist in Frage zu stellen. Denn jeder Mitmensch steht jetzt unter Generalverdacht. Ca. 176.000 Menschen leben im Landkreis Gifhorn. Allerzeitung: "125 Infizierte, 4 Tote". Rechnen Sie sich mal aus, wie hoch die statistische Wahrscheinlichkeit ist, sich bei einem dieser Infizierten anzustecken? Die Wahrscheinlichkeit ist sehr, sehr, sehr gering. Da schließlich von den Infizierten nicht alle krank werden, sinkt zusätzlich die Wahrscheinlichkeit der Ansteckung. Das macht es nicht einfacher, sondern komplizierter. In der Folge müssten Sie die Maske über viele, viele Jahre (nicht nur Monate) durchgehend tragen und bloß nirgends vergessen. Aber dann auch bitte richtig handhaben! Jeder zweite greift nämlich vorne an die störende Maske. Das Virus hätten Sie dann potentiell an den Fingern und schließlich verteilen Sie es eifrig. Sie können dieses Wahrscheinlichkeitsspiel ad adsurdum führen, letztendlich werden 60-70% der Bevölkerung sich infizieren müssen (!) oder geimpft, um einen zeitlich begrenzten Schutz zu erreichen. Zeitlich begrenzt, weil das Virus wie auch andere Viren mutieren wird und so der Impfstoff dem neuen Coronavirus angepasst werden muss (wie bei den jährlichen Impfungen gegen Grippe). Die Maske kann allenfalls eine Verzögerung der Infektion erreichen, sie kann sie eben nicht verhindern!

Bevölkerungsneurose: Typisch für eine Angststörung (früher Angstneurose) ist die generelle Überschätzung des Risikos, zu erkranken oder zu versterben. So gehen sie nicht vor die Tür, weil sie sich anstecken, vom Auto überfahren oder vom Dachziegel erschlagen werden könnten. Wenn eine ganze Bevölkerung angeblich aus Sicherheitsgründen (Sie werden sowieso in den nächsten Monaten und Jahren infiziert oder geimpft) eingesperrt wird und die Deutschen es auch noch in dem Gehorsam übertreiben, dann sehe ich keine Verhältnismäßigkeit mehr, das verdient den Namen Neurose. Eine ganze Nation auf die Couch, das stellen Sie sich mal vor. Frau Merkel, Herr Spahn, Herr Drosten: Sie kriegen bei mir besondere Konditionen, weil Sie es besonders nötig haben :-)))

02.05.20: Das Deutsche Ärzteblatt veröffentlichte kürzlich eine Untersuchung, in der 50 an Covid-19 erkrankten Patienten im Klinikum Aachen behandelt wurden. Alle Patienten wiesen Vorerkrankungen auf. 24 Patienten mit schwerem Lungenversagen (ARDS) mussten beatmet werden, 26 Patienten atmeten selbständig, waren aber sauerstoffpflichtig. Die Autoren stellen fest, dass bei den meisten der Erkrankten respiratorischen Vorerkrankungen (z.B. COPD, Asthma) bestanden (58%) und/oder diese übergewichtig/adipös waren (83%). 7 Patienten waren zum Ende der Untersuchung (Beobachtungszeitraum 6-7 Tage) verstorben: 4 Patienten mit ARDS. Todesursache: Multiorganversagen. 3 Patienten ohne ARDS. Todesursache: Ateminsuffizienz. Die Ergebnisse sollten - so die Autoren - in einer Studie an einem größeren Kollektiv bestätigt werden.

Die Datenlage über Corona ist bis heute schwierig, weil sie häufig widersprüchlich und nicht wegweisend ist. Es gibt einzelne kleinere Untersuchungen (wie oben), auch was die Behandlung mit einem Medikament (Remdesivir) betrifft, doch die Ergebnisse müssen in randomisierten Studien (und die brauchen vor allem Zeit) noch bestätigt werden. Es ist erstaunlich, wie sehr auch die Presse/Medien Desinformation betreibt.

Kritische Stimmen:
1) Pathologe Prof. Klaus Püschel https://www.youtube.com/watch?v=44tTKSkTt1w

2) Virologe Prof. Hendrik Streeck https://www.youtube.com/watch?v=mMGEWZ5uENs

3) Infektionsepidemiologe Prof. Sucharit Bhakdi https://www.youtube.com/watch?v=dwJSNPz_8uk

 

 

 

 

 

Voraussetzung für die Videosprechstunde ist das Vorhandensein 1)einer Webcam und 2)eines Mikrofons an Ihrem Computer oder eines Notebooks mit integrierter Kamera. Alternativ können Sie Ihr Smartphone verwenden, in dem meistens beide Komponenten bereits integriert sind. Als Browser wird Google Chrome oder Safari empfohlen, Firefox funktioniert allerdings auch einwandfrei.

  • Sie hinterlassen entweder telefonisch oder per E-Mail in der Praxis Ihre E-Mail Adresse und teilen mit, dass Sie gern einen Termin zur Videosprechstunde hätten
  • Sie erhalten einen Termin von der Praxis
  • Sie erhalten außerdem von mir per E-Mail eine TAN
  • Diese TAN müssen Sie einfach nur anklicken und Sie kommen automatisch auf die Seite des Videodienstanbieters (entweder arztkonsultation.de oder clickdoc.elvi.de)
  • Sie werden in das virtuelle Wartezimmer gesetzt
  • Zum Termin klicke ich Sie auf meinem PC an
  • Es ertönt ein Klingelzeichen. Sie "heben ab" und wir sind in der Videosprechstunde

Hinweis: bei "arztkonsultation.de" wird automatisch vor Kontaktaufnahme ein Systemcheck durchgeführt (es wird geschaut, ob Mikrofon, webcam und browser ausreichend gut funktionieren)

Wenn Sie weitere Fragen haben, bitte melden

Nachdem ich im ersten Teil meines Vortrages über das Menschliche Versagen die These aufgestellt hatte, Fehler dienten letztendlich der bestmöglichen Anpassung einer Art (nicht nur dem Menschen, sondern jedem Lebewesen auf diesem Planeten) an eine sich stetig wandelnde Umwelt im Sinne von Evolution und Selektion und in meinem zweiten Teil behauptet habe, dass es sich beim Scheitern und Versagen überwiegend um unbewusste körperliche, mentale und emotionale Prozesse handelt, die eben nicht nur dem Zweck der Anpassung dienten, sondern auch als Form einer Notfallsimulation verstanden werden müssen, um auf (schwerwiegende) Fehler, die zukünftig auftreten könnten, adäquat vorbereitet zu sein (Antizipation), so erweitere ich in meinem dritten Teil den Blick auf das Menschliche Versagen noch um eine ganz wesentliche Perspektive, nämlich das Versagen im Bindungsverhalten zwischen Individuen.

Der Mensch ist zu Beginn des Lebens ganz wesentlich von seiner Umgebung abhängig. Er ist auf das soziale Gefüge hochgradig angewiesen. Er braucht eine ausreichend interessierte und versorgende Umwelt. Hat er dies nicht, so ist es nicht unwahrscheinlich, dass er Schaden davon trägt. Dieser Schaden zeigt sich bereits früh im Bindungsverhalten (innerhalb der ersten 18 Lebensmonate). „Alles ist Beziehung“, behauptete bereits schon der Begründer der Bindungstheorie John Bowlby, und meinte damit, dass wir ohne ein „Gegenüber“ (Freud nannte die Bezugsperson-meist die Mutter-„Objekt“) nicht existieren, uns nicht entwickeln können. Davon ausgehend, dass etwa 60 % in einer Population (gemeint ist eine Gesellschaft wie die Deutschen, Engländer, Franzosen etc.) „sicher-gebundene“ Individuen darstellen, 40 % allerdings Auffälligkeiten im Bindungsverhalten zeigen, eröffnet sich hier ein ganz neue Aspekt in Bezug auf Menschliches Versagen. Denn diese Auffälligkeiten im Bindungsverhalten beruhen auf Fehlinterpretationen in menschlichen Beziehungen. So deuten und antizipieren sicher-gebundene Individuen das Verhalten ihres Gegenübers eher korrekt, während es häufig bei unsicher-gebundene Individuen zu Missinterpretationen kommt. Diese beruhen überwiegend auf fehlerhaften Arbeitsmodellen, die unsicher-gebundene Individuen im Säuglings-und Kleinkindalter entwickelt haben. Arbeitsmodelle sind Muster, die der Säugling bzw. das Kleinkind als Normalität in einer Beziehung kreiert, um mit seinem Gegenüber (Objekt) umgehen zu können. Bereits in der Objektbeziehungstheorie wurde die Bedeutung der Beziehung des Kindes zu seinem Gegenüber betont und darauf hingewiesen, dass vor allem die Beziehungsaspekte (bei John Bowlby als Arbeitsmodell bezeichnet) und weniger das Objekt als solches integriert (im Sinne von Abspeichern) wird. Dabei meint Integration den komplizierten Vorgang der Aufnahme und des Abspeicherns des Erlebens im Umgang mit dem Gegenüber. Diese inneren Arbeitsmodelle schließlich sind die Motoren, die die oben erwähnten unbewussten Prozesse als Basis des Versagens initiieren. So ist der größte Anteil der psychisch gesunden Menschen bei den sicher-gebundene Individuen zu finden, während sich unsicher-gebundene Individuen ganz überwiegend mindestens einmal in ihrem Leben psychotherapeutische Hilfe suchen muss.

In meinem dritten Teil über das Menschliche Versagen habe ich damit gezeigt, dass Fehlerhaftigkeit auch aufgrund eines insuffizienten Arbeitsmodells (Beziehung/Bindung) beruhen kann. Dieses dürfte im Leben zwangsläufig zum Versagen oder Scheitern verurteilt sein. Das Individuum-das sozial eingebunden ist-ist dann gezwungen, sein Arbeitsmodell zu verwerfen oder krank zu werden. Dabei stellt das Krankwerden bereits einen suboptimalen Kompromiss zwischen Aufgabe und Scheitern des Arbeitsmodells und Anerkennung der Realität dar.

In meinem ersten Teil des Vortrages über menschliches Versagen habe ich die These aufgestellt, dass die Fehlerhaftigkeit des Menschen kein Zufall ist, sondern eine Notwendigkeit, um sich den Veränderungen einer sich stetig wandelnden Umwelt bestmöglich anzupassen. Dabei verwies ich auf zwei Phänomene, denen sich alle Lebewesen auf diesem Planeten seit Anbeginn der Welt unterwerfen müssen: Evolution und Selektion. Wie Sie vielleicht bemerkt haben, habe ich dadurch dem Versagen, Scheitern bzw. der Fehlerhaftigkeit eine Bedeutung, einen Sinn gegeben. Ich habe behauptet, dieser sei intentional zu verstehen, also auf ein bestimmtes Ziel gerichtet, nämlich die optimale Anpassung an die Umwelt. Aus rein deterministischer Perspektive würde ich hingegen anführen, dass die Fehlerhaftigkeit keinen Sinn hat und allein darauf beruht, dass noch nicht alle Fehler - ob körperlich, mental oder emotional - ,die dem Mensch unterlaufen, ausgemerzt sind. In diesem zweiten Fall dürften wir Fehler und Versagen als unnötiges Restrisiko verstehen, dass es gelte, zu beseitigen. Wenn Sie um sich schauen, verstehen die meisten Menschen Versagen genau in diesem Sinne. Es ist deswegen nicht verwunderlich, dass allgemein das Bemühen zu beobachten ist, menschliches Handeln durch zuverlässigere Techniken (zum Beispiel Roboter, Künstliche Intelligenz) zu ersetzen.

In meinem zweiten Teil dieses Vortrages möchte ich auf einen weitere Perspektive der Sinnhaftigkeit von Fehlern hinweisen. Dabei geht es weniger um die Fähigkeit der Anpassung des Menschen an seine Umgebung und den aus Fehlern sich entwickelnden Lernprozess mit neuen Lösungsansätzen, sondern viel mehr um unbewusste Prozesse der Simulation. Dies gilt es nun im Folgenden zu erläutern:

der Mensch befindet sich im Besitz einer einzigartigen Fähigkeit, die wir als Ich-Leistung bezeichnen, die uns die Möglichkeit gibt, Handlungsprozesse im Voraus zu durchdenken: die Antizipation. Die Fähigkeit, eigenes und fremdes Verhalten im Vornherein ein-und abzuschätzen. Dabei benutzen wir einerseits unsere Fantasie, andererseits das Wissen um begrenzte Optionen des menschlichen Verhaltens in bestimmten Situationen. Eine entscheidende Rolle spielt dabei, wie viel positive Erfahrung das Individuum in Bezug auf Versagen in der Vergangenheit gemacht hat. Positive Erfahrung meint hier, dass Eltern Kindern zugestehen sollten, Fehler zu machen ohne dabei die Beziehung zum Kind infrage zu stellen. Dabei sollten Eltern dem Kind vermitteln, dass Fehler nichts Schlimmes sind, sondern etwas, aus das man lernen kann. Sicher-gebundene Individuen (der Begriff „sicher“ bezieht sich hier auf die Bindungstheorie) können dabei auf einen größeren positiven Erfahrungsschatz zurückgreifen als unsicher-gebundene. Dadurch werden sicher-gebundene Individuen im Gegensatz zu unsicher-gebundenen neue Situation eher erfolgreich - hier im Sinne von korrekt – antizipieren.

Meine Darstellung hier bezog sich zunächst auf einen bewussten Prozess.

Sie sollten allerdings wissen, dass solche Prozesse meist unbewusst ablaufen. Und hier wird es spannend. So wissen wir heute, dass bestimmte sich wiederholende körperliche Vorgänge (Herzrhythmus, Atemrhythmus, Denkprozess etc.) regelmäßig von „Fehlern“ durchzogen sind. Als Beispiel seien „gutartige Herzrhythmusstörungen“ im Sinne von Herzstolpern oder eine plötzliche „Denksperre“ im Sinne von Denkabbrüchen angeführt. Beides kennen Sie! Wissenschaftlich untersucht findet sich kein einziger krankhafter Befund bei den Probanden. Bei jedem von uns Menschen lassen sich regelmäßig „Extrasystolen“ nachweisen. Wer bereits schon einmal ein Langzeit EKG angelegt bekommen hatte, braucht nur auf die Auswertung zu schauen. Diese als „Extra Herzschläge“ zu bezeichnenden Fehler der Herztätigkeit verweisen auf eine vorzügliche Herz-Gesundheit, wissen wir mittlerweile. Die meisten Menschen spüren diese Fehler nicht. Meistens sind es Angstpatienten, die diesen Extra Herzschlägen eine Bedeutung beimessen und so vermehrt durch Lenkung ihrer Aufmerksamkeit auf ihre Herztätigkeit dieses Stolpern spüren (was die Symptomatik übrigens verschlimmert). Auch im Bereich des Denkens passiert es uns regelmäßig: mit einer bestimmten Motivation setzen wir uns in Bewegung (zum Beispiel, etwas aus dem Keller zu holen) und am Ort angekommen, wissen wir plötzlich nicht mehr, was wir wollten.

Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass dies vom Körper gezielt eingesetzte Fehler sind, um die Funktionstüchtigkeit eines Organsystems zu überprüfen. Dabei sei hier auf ein ganz einfaches Beispiel hingewiesen: ob bei der Feuerwehr, Polizei oder Bundeswehr, der Mensch „simuliert“ Notfallsituation. Dabei antizipiert er unter Zuhilfenahme von Fantasie und Erfahrung, welcher Notfall auftreten kann und welche Möglichkeiten bestehen, diesem zu begegnen. Nichts anderes passiert in unserem Körper! Notfallsimulation!

(Kleiner Hinweis: Sie erkennen ein krankes Herz daran, dass es sich keine Fehler im Sinne von Extra Herzschlägen mehr „erlaubt“)

Doch diese unbewussten Prozesse laufen eben nicht nur im körperlichen oder mentalen, sondern eben auch im emotionalen Bereich ab. Es scheint also, dass es hier noch spannender wird. Behauptung: Versagen, Scheitern oder Fehler machen als emotionalen Prozess zu verstehen, eine seelische Notfallsituation zu simulieren, um zu überprüfen, ob die Psyche damit umgehen kann.

Das mag für sie „der Hammer“ und unglaublich sein, ist aber Realität. Als einfachstes und bestes Beispiel hierfür sei unsere Traumtätigkeit angeführt. Meist lange vor einer Handlung (z. B. die Trennung vom Partner oder dem Abschied von einem Sterbenden) „testet“ der Träumende seine emotionale Reaktion und seine Umgangsstrategien mit der erwarteten antizipierten Situation. Wir kennen alle den Gedanken und das erhebende Gefühl „Gott sei Dank, es war nur ein Traum“. Wir kennen auch alle die emotionale Ergriffenheit im Rahmen eines Traumes. Im Traum sind wir meistens sehr emotional. Und der Grund , dass es im Traum passiert, liegt - wie oben bereits erwähnt – darin, einen Notfall zum simulieren. Und dieser ist zeitlich begrenzt und bei Wiedererlangen unseres Bewusstseins abgeschlossen. Unbewusst wird jeder von uns daraus Konsequenzen ziehen: entweder zu der Erkenntnis kommen, dass die geplante Handlung emotional zu belastend ist und bisher keine erfolgreiche Strategie im Umgang gefunden wurde oder zur Gewissheit gelangen, dass die neue Lebensaufgabe oder der Entwicklungsschritt gegangen werden kann und emotional tragbar ist.

Freud hat sich überwiegend mit solchen Prozessen auseinandergesetzt. Er hatte früh erkannt, dass der größte Teil unserer alltäglichen Handlungen, unseres Denkens und unseres Fühlens auf unbewussten Prozessen basiert. Vor allen Dingen der Bereich des Fühlens - des emotionalen Erlebens - hat er sich gewidmet. Er hat versucht, diese unbewussten Prozesse sichtbar zu machen, hat dafür Gedankenmodelle entworfen, die anfangs recht mechanistisch wirkten. Heute wissen wir von den unbewussten Prozessen und machen diese anhand von Traumdeutung, Fehlleistungen (Fehlhandlungen, Fehlgedanken, Falschaussagen etc.) und Beziehungsgestaltung sichtbar.

 

In diesem zweiten Teil meines Vortrages über das menschliche Versagen habe ich die Perspektive der Sinnhaftigkeit von Versagen und Scheitern um einen neuen Aspekt erweitert: Fehler machen, um emotional rechtzeitig und adäquat einer noch nicht bestehenden, aber möglichen Situation zu begegnen.