Ansgar Hantke

allgemeinmedizinisch-psychotherapeutische Praxis

Als Gefälligkeitsgutachten bezeichnet man ein ärztliches Zeugnis, das auf Wunsch des Patienten durch einen Arzt erstellt wird und über die Fähigkeiten und Einschränkungen des Patienten durch die erhobenenen ärztlichen Befunde Auskunft geben soll.

Weiterlesen ...

Die Umsetzung der Telematikinfrastruktur ist seit Jahren das (sehr ambitionierte) Ziel der Bundesregierung und des Gesundheitsministers. Sie soll die verschiedenen "Player" im Gesundheitswesen, also die Leistungserbringer wie Ärzte, Krankenhäuser, Physiotherapeuten usw. miteinander vernetzen. Sinn der Übung soll sein, dass unnötige Doppeluntersuchungen vermieden und Daten (z.B. Diagnose, Befund) schneller ausgetauscht werden können. Haken an der ganzen Sache ist-wie bei allen Dingen, die in das Netz gestellt werden-die Datensicherheit. Und in dieser Hinsicht ist die Telematikinfrastruktur heute immer noch ein Stiefkind. Die meisten Ärzte trauen der Telematikinfrastruktur nicht und dies zu Recht: Experten aus dem IT-Bereich halten dieses System bereits heute schon für überholt, Experten für Datensicherung weisen darauf hin, dass es nur eine Frage der Zeit ist, dass die Telematikinfrastruktur "geknackt" wird. Und auch für uns Ärzte ist augenscheinlich einiges im Argen: Praxen, die die verschiedenen Bauteile (neues Lesegerät, Connector, Praxisausweis etc.) bereits installiert haben, klagen über Verzögerungen bei dem Lesen der Krankenversicherungskarte und Abstürze des Praxissoftwaresystems. Für mich als Arzt und Psychotherapeut ist die Telematikinfrastruktur deshalb so heikel, weil sie in die sensible Arzt-Patientenbeziehung eingreift. Alles was ich in den Computer zunächst eintippe, dann versende, ist nicht mehr unter meiner Kontrolle. Hacker haben durch ihr Verhalten belegt, dass sie auf Daten eines Computers Zugriff haben können, ohne dass dieser es merkt. Welche Datenmenge, welche Art von Daten kann jemand von außen von meinem Rechner abrufen? Die Telematikinfrastruktur suggeriert, dass es von mir selbst abhängt, welche Daten ich zur Verfügung stelle. Dies halte ich für äußerst fragwürdig, da der Datenfluss nicht sichtbar ist.

Nun versucht Herr Spahn mit aller Macht, die Telematikinfrastruktur durchzusetzen, indem das Bundesgesundheitsministerium 51% der Rechte an dem Projekt (Gematik) übernommen hat. Ärzten/Psychotherapeuten, die nicht an der Telematikinfrastruktur teilnehmen, wird nun gedroht, dass sie ein Prozent ihres Honorars als Strafzahlung tragen müssten. Ab 3. Quartal 2019. Herr Spahn, ich bin nicht dabei. Und: was wollen Sie tun, wenn wenn wir weiter "nicht gehorchen"?

 

Wir sind gewohnt zu handeln. Wenn Sie mit Beschwerden in die Praxis kommen, wünschen Sie, dass wir etwas tun. Allerdings ist das häufig nicht sinnvoll, wie wir wissen. Im Gegenteil, es kann Ihnen gar Schaden zufügen. In der Allgemeinmedizin ist diese Erkenntnis schon seit Jahrzehnten bekannt. Wir tun häufig nichts, sondern warten ab: auch als "abwartendes Offenlassen" bezeichnet.

Weiterlesen ...

Trotz aller Kritik in den vergangenen Monaten hat die große Koalition das

 

TerminService- und Versorgungsgesetz (TSVG)

 

von Herrn Spahn beschlossen. Es stellt mit den größten Eingriff in die vertragsärztliche Tätigkeit und damit auch in die Selbstständigkeit der Ärzte/Psychotherapeuten dar. Damit fällt die letzte Bastion der Selbstständigkeit des Arztes/Psychotherapeuten. Denn er ist bereits heute von seiner Arbeitszeit, seinem Medikamentenbudget, von dem, was er an Heil-und Hilfsmittel verordnen darf und von seinem Honorar limitiert.

Bisher durfte jeder Arzt/Psychotherapeut seinen Terminkalender (und damit einen Teil seiner Arbeitszeit) so gestalten, wie er sich das vorstellt. Aufgrund begrenzter eigener Ressourcen, kann dieser auch am besten beurteilen, was er zu leisten vermag. Dahinter stecken nicht zuletzt auch seine Bedürfnisse wie Freude, Neugier und Interesse am Beruf und die Gewissheit, dem Patienten tatsächlich Unterstützung und Hilfe anbieten zu können. Aufgrund der außerhalb der Sprechstunde stattfindenden zunehmenden administrativen Arbeit (Dokumentationen, Qualitätsmanagement), befinden sich die meisten Ärzte/Psychotherapeuten aber jetzt schon in einem Bereich, der gesundheitlich bedenklich erscheint. Ein Arzt kann nur hilfreich sein, solange er selber gesund ist. Ein kranker Arzt kann hingegen den Patienten nur schaden oder zumindest nicht gut tun. Es ist deswegen vor allem dem Patienten gegenüber unverantwortlich, die Sprechstunden von 20 auf 25 Stunden zu erhöhen. Zuletzt wird dieser Schritt aber unserer heutigen Gesellschaftskultur gerecht, die alles und zu jeder Zeit haben möchte, der es mehr um Quantität als um Qualität geht, auf Kosten der Gesundheit des Individuums, das Burn-out und den steigenden Bedarf an psychotherapeutischer Unterstützung schon als Normalität betrachtet.

Die Psychotherapeuten kennen den Eingriff in ihren Terminkalender schon seit April 2018: in den neuen "Psychotherapie Richtlinien 2018" (siehe dort) besteht die Verpflichtung für Psychotherapeuten, zweimal 50 Minuten (entspricht 2 Therapiestunden) pro Woche eine „psychotherapeutische Sprechstunde“ anzubieten. D.h., jeder Psychotherapeut muss zwei Therapiestunden pro Woche zu Gunsten potentieller Neupatienten zur Verfügung stellen. Sinn der Übung sollte sein, die Wartezeit auf ein Psychotherapieplatz zu reduzieren und den Patienten kurzfristig einen Zugang zur professionellen Versorgung durch Psychotherapeuten zu gewähren. Allerdings stellt die psychotherapeutische Sprechstunde keine Psychotherapiestunde dar, sondern dient allein der Klärung der Indikationsstellung, d.h., ob eine psychische Störung vorliegt oder nicht. Es reduziert deswegen nicht die Wartezeit, aber suggeriert dem Patienten einen schnelleren Zugang zu einem Psychotherapieplatz. Diese Hoffnung aber wird schnell durch die psychotherapeutische Sprechstunde frustriert. Ich halte sie deshalb für vollkommen sinnentleert, da sie nichts anderes darstellen, als das Vertrösten auf einen späteren Termin zur Psychotherapie („schön dass sie gekommen sind, sie haben tatsächlich eine psychische Störung, trotzdem kann ich Ihnen erst in einem halben Jahr einen Therapieplatz anbieten").

Ob diese Termine außerdem genutzt werden oder nicht, dafür interessiert sich ein Herr Spahn nicht. Herr Spahn muss auch nicht dafür Rechnung tragen, wenn diese psychotherapeutische Sprechstunden nicht genutzt werden und es auf diesem Weg zu einem Verdienstausfall kommt. Analog wird es mit der „offenen Sprechstunde“ sein, die die „grundversorgenden und wohnortnahen Versorger“ verpflichtet sind, anzubieten. Wer dazu zählt, kann nur geahnt werden: Haus-und Kinderärzte vermute ich. Statt 5 Stunden Terminsprechstunde 5 Stunden „offene Sprechstunde“? Nein danke! Als Selbstständiger kann ich nur sagen, sind mir die Terminsprechstunden lieber. Lieber einen gesicherten Verdienst, als einen unsicheren.

Ich hoffe, dass genügend Ärzte/Psychotherapeuten wie ich den Mut haben, den Verpflichtungen aus dem TSVG nicht nachzukommen, um der Politik zu zeigen, dass es nur mit, aber nicht gegen uns funktioniert.

 

Herzinfarkt oder Panikattacke

Aus aktuellem Anlass widme ich mich diesem Thema. Denn nicht selten wird der Arzt genau vor diese Frage gestellt. Leider werden im Rahmen des akuten Brustschmerzes genau diese Diagnosen viel zu selten diskutiert. Es ist deswegen nicht verwunderlich, dass in letzter Zeit Patienten einen Herzkatheter bekommen, bei denen dieser überhaupt nicht angezeigt ist.

Weiterlesen ...

Die Kassenärztliche Vereinigung hat mit dem 17. Januar 2019 einen regionalen (Niedersachsen) Feedback Bericht zum RESIST Projekt erstellt. Dabei wurden die Verordnungen von Antibiotika der teilnehmenden Ärzte am RESIST Projekt den Verordnungen nicht teilnehmender Ärzte gegenüber gestellt. Das Ergebnis ist schon deshalb so erfreulich, weil es mal wieder zeigt, dass das Belohnen (z.B.Vergütung) von Nicht-Verordnungen erfolgversprechender ist als das Bestrafen (z.B. Regress). Und, dass das Thema Antibiotika zu einer Sensibilisierung geführt haben dürfte.