Ansgar Hantke

psychotherapeutische Praxis


Burnout

Was ist das “Burnout” Syndrom, wovon alle Welt spricht?

Burnout ist englisch und heißt übersetzt “ausgebrannt”. Dabei geht es nicht um eine spezifische Erkrankung “Ausgebranntsein” oder eine Diagnose, sondern um einen GefühlsProzess, der als solcher wahrgenommen wird und in der Folge zur Erschöpfung führt

Der Mensch hat das Gefühl, “leer zu sein, nichts mehr zu können, nichts mehr zu schaffen“, “ihm gelingt nichts mehr“.

Wenn also das Burnout Syndrom keine Erkrankung ist, was ist es dann und was sind die Folgen davon?
In der Nomenklatur (ICD-Diagnosenbeschreibung) der ärztlichen Begriffsklärung wird Burnout als Syndrom i.S. von “Schwierigkeiten in der Lebensbewältigung“ des Individuums beschrieben.
In der MMW (Münchner Medizinischen Wochenzeitschrift) wird hingegen Burnout als “Fehlentwicklung mit dem Risiko von psychischen und somatischen (körperlichen) Folgekrankheiten” verstanden. Es wird weiter klargestellt, dass diese Fehlentwicklung gleichzeitig immer auch eine Lebenssinnkrise beinhaltet (“wozu das Ganze“?). Diese Andeutung ist nicht nur ein rein subjektiver Eindruck des Autors, sondern folgt aus der Tatsache heraus, das landläufig die Meinung herrscht, dass Burnout allein etwas mit der stressigen Arbeitswelt zu tun haben würde. Dies ist jedoch falsch, die Arbeitssituation stellt nur einen Anteil des Burnout Geschehens dar. Meine eigene Erfahrung besagt, dass Menschen gern die Arbeit als Ursache sehen und alles Private und Individuelle raushalten möchten. Sie lassen sich ungern auf die eigenen Stressverstärker und die eigene Verantwortlichkeit ansprechen, teils aus Scham - teils aus Schuldgefühl.

Burnout ist des weiteren eine Vorstufe einer Erkrankung, sollte dieser Prozess längere Zeit bestehen. Wann eine Erkrankung auftritt, ist individuell verschieden, eine genaue zeitliche Abgrenzung, wann die Folgeerkrankung (z.B. Depression) beginnt und wann das Burnout aufhört, gibt es nicht, der Übergang ist fließend.
Zu den typischen Folgeerkrankungen zählen nicht nur die Depression, sondern auch andere psychiatrische Erkrankungen wie Angststörung, Somatisierungsstörung, Abhängigkeiten (z.B. Alkohol). Aber auch somatische (körperliche) Erkrankungen wie Herz - und Kreislauferkrankung, Bluthochdruck, Zucker, akute und chronische Infekte und der Tinnitus zählen dazu.

Wie erklärt man sich heute das Burnout Syndrom und wen kann es potentiell betreffen?
Zunächst sind da die Umweltfaktoren, die eigentlich jeder kennt: die hohen Anforderungen am Arbeitsplatz mit einer steigenden Flut von Aufgaben. Da ist der Chef, der Abteilungsleiter oder Geschäftsführer mit seinen hohen Erwartungen, aber auch die Beziehungskonflikte untereinander. Kurz um, es gelten die Schlagwörter: Ökonomisierung, Globalisierung, Digitalisierung, Beschleunigung, Individualisierung. Der Einzelne steht mehr den je unter Leistungs -, Konkurrenz - und Erfolgsdruck.
Zu den Umweltfaktoren, die als “Stressoren” bezeichnet werden, gesellen sich die individuellen Stressverstärker. Diese sind personenspezifisch. Sie bewerten äußere Stressoren und führen gegebenenfalls zum inneren Druck. Stressverstärker werden auch als Antreiber bezeichnet, weil sie die Person antreiben. Je rigider und unbeweglicher die Selbstansprüche sind, umso größer klafft die Distanz zwischen Sollen und Können. Hieraus folgt der Stresszirkel: Demnach führt ein Stressor (z.B. hohe Anforderung am Arbeitsplatz) mit einem Stressverstärker (“ich schaffe es im Sinne “ich muss es schaffen“) zur Überforderung. Die Folge, der Anforderung nicht gerecht worden zu sein, ist eine Kränkung (“ich habe es nicht geschafft, “trotzdem” werde ich an meinem Ziel festhalten“). Dadurch STEIGT der Stressor in seiner Intensität und es kommt zur “Burnout Beschleunigungsspirale“. Denn je mehr an dem “ich muss es schaffen” festgehalten wird, um so größer die Kränkung. Hierdurch klafft die Distanz zwischen Sollen und Können immer weiter auseinander… bis es zum Kollaps kommt. Anfangs steht noch das nicht Erreichen des “Sollens” im Vordergrund, später die des “Könnens”.
Typische Persönlichkeiten, die hierfür anfällig sind, sind die narzisstische (mit dem Wunsch nach Bewunderung und Erfolg), die anankastische (zwanghafte) (mit dem Wunsch nach Perfektionismus) und die depressiv-masochistische (mit dem Wunsch nach Aufopferung und des Helfenwollens) .

Wie begegnet man denn dann dem Burnout, um die Katastrophe zu verhindern?
Wie oben schon beschrieben, ist Burnout nicht nur ein auf die Arbeitswelt begrenztes Ereignis, sondern auch immer eine Lebenssinnkrise. Diese Frage nach dem Sinn sollte aktiv aufgegriffen werden, denn Leben besteht nicht nur aus dem Alltag der Arbeitswelt. In diesem Kontext ist die Frage nach Ressourcen (siehe “Praxisphilosophie) zu stellen: sie gelten als komplementär zu den Stressverstärkern und werden als Resilienz bezeichnet. Resilienz stärkt die Stresstoleranz. Resilienz geht mit dem Kohärenzgefühl (Zusammengehörigkeitsgefühl) einher und bezeichnet in all unseren Aufgaben die 3 Dimensionen Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit. Die Resilienz steigt, wenn das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Tätigkeiten wächst, die Lebenssituation nicht als chaotisch erlebt wird, sondern verstehbar und lebenswert.

 


Konkret heißt dies, das der zentrale Ansatz in der Behandlung des Burnout Syndroms eine auf Stressmanagement und Sinnfindung ausgerichtete Psychotherapie ist.

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