Theoretisch kann jede nach Außen primär körperlich erscheinende Erkrankung eine seelische Ursache haben oder zumindest anteilig seelisch bedingt sein. Grund dafür ist, dass Seele sich ausdrücken möchte. Jeder Mensch, jeder Organismus möchte, ja muss sich äußern, muss Inneres nach Außen kehren. Der Motor Evolution steckt dahinter und die Tatsache, dass wir Organismen keine geschlossenen Systeme sind. Dies bedeutet, wir brauchen die Umwelt, wir brauchen den Austausch, um sicher zu stellen, dass unser inneres Milieu im Gleichgewicht (Homöostase) bleibt. Dies ist so selbst verständlich, dass wir keinen Gedamken daran verschwenden, dass wir nur leben, weil wir atmen, uns von der Umwelt ernähren und Stoffwechselprodukte ausscheiden. Sollte nur eins der genannten Lebenserscheinungen fehlen, wären wir sofort tot.

Seele und Körper sind eins. Der Dualismus von Descartes ist längs überwunden, er lebt jedoch in unseren Köpfen und noch mehr in der Medizin weiter. Mag sein, dass er in uns tief verwurzelt erscheint, denn bereits die Orphiker (Orpheus Kultur im frühen Griechenland) waren der Ansicht, "der Leib stammt von der Erde, die Seele vom Himmel". Heute wissen wir, dass das Leib-Seele Problem keines ist, weil es diese Trennung nicht gibt. Gefühle und andere seelische Vorgänge basieren auf Veränderungen verschalteter Netzwerke und Neuronen im Gehirn und den angrenzenden Strukturen (nichr nur Zentralnervensystem, sondern auch vegetatives Nervensystem). Auch kognitive Vorgänge lassen die Neuronen "feuern". Ob der rechte Arm bewegt wird, der Mensch traurig wird oder eine mathematische Aufgabe gelöst wird, es entsteht jedesmal ein regelrechtes Feuerwerk im Gehirn, Netzwerke in verschiedensten Regionen sind äußerst aktiv, schicken Daten von einem zum anderen Ort. Damit hat jedes Gefühl, jede mentale Tätigkeit oder körperliche Aktion ein organisches Korrelat. Konsequenterweise muss jetzt geschlussfolgert werden, für das Gehirn ist es egal, ob das Ergebnis der Vorgänge seelischer, körperlicher oder geistiger Natur ist. Denn alles drei wird nach Außen geäußert. Sie lesen daraus, was ich bereits oben schon dargestellt habe. Wesentlich (im Sinne des Wesens!) bleibt das Äußern, das Zeigen, das Ausdrücken, mit dem Ziel der Sicherstellung des inneren Milieus.

Damit kehre ich zu dem Thema psychosomatische Erkrankung zurück. Wenn Sie mir oben folgen konnten, so wird verständlich, dass es gerademal von den Hrinbereichen oder noch besser den Netzwerken abhängt, ob eine Irritation des inneren Milieus körperlich, seelisch oder geistig geäußert wird, heißt, Spuren im Gefühlsleben, am Körper oder Verhalten oder Denken hinterlässt.

Im Gegensatz zu manch anderem Organmediziner oder auch Psychoanalytiker vertrete ich die Ansicht, dass die Erscheinungen fließend sind. Der Organismus muss sich auf eine Art der Äußerung nicht beschränken, kann diese auch im Krankheitsverlauf (was die homöopathisch tätigen Ärzte besonders gut wissen) verändern. So kann ein Asthmatiker bei rein organischer Behandlung durch die Besserung eine nicht beachtete oder veranlagte Psychose entwickeln, weil dem Organismus die Möglichkeit der Äußerung durch die rein organische Behandlung genommen wurde.

Ein grippaler Infekt kann z.B. psychosomatischer Natur sein. Dahinter kann eine Erschöpfung des Organismus stecken, er kann jedoch auch einer Absicht folgen, nämlich einer Erschöpfung vorbeugend. Deterministisch oder finalistisch? Die meisten Erkrankungen haben meist beide Seiten. Dies kann vielleicht damit begründet werden, dass Seele auch huckepack, also wie ein Trojaner, sich auf eine körperliche Erkrankung aufsatteln kann.

Der Übergang ist fließend:

a)rein körperlich bedingte Erkrankungen (Vitaminmangel, Mangelernährung, Verletzungen, degenerative Erkrankungen)

b)organisch, aber indirekt seelisch bedingte Erkrankungen (Unfallneigung aufgrund von Fehlhandlungen -> Inszenierung)

c)sekundäre Hysterisierung (die körperliche Erkrankung erklärt nicht ausreichend die Beschwerdesymptomatik): sehr häufig! Beispiel: Es liegen bei fast jedem Menschen im Alter von 50 Jahren deutliche Bandscheibenveränderungen vor. Die meisten haben kaum oder gar keine Schmerzen. Andere jedoch klagen über heftigste Schmerzen, die aber allein aufgrund der Bandscheibenveränderungen nicht ausreichend erklärt werden können (Diskriminierung durch Orthopäden wichtig)

d)reine Konversionssymptomatik (Lähmungen, Schwindel – oder Schmerzsyndrome ohne jeglichen objektivierbaren Grund) Meist drückt der der Patient damit seine Ambivalenz aus. Beispiel: Der "Herzschmerzpatient", der seinen Trennungsschmerz in der Brust spürt )Diskriminierung durch Kardiologen wichtig)

e)nichthysterische, somatoforme, insbesondere hypochondrische Symptomatik (auf den Magen-Darmtrakt, die Brustorgane, die Harnwege usw. bezogene Ängste. Die Unterscheidung zu den vorigen: hier steht die schon fast wahnhaft erscheinende ängstliche Gewissheit im Vordergrund.

f)funktionelle Syndrome und Psychosomatosen (alle Störungen, die auf der Basis von Konflikt – und Traumaverarbeitung erfolgen). Organsprache. Von Uexküll "Bereitstellungserkrankung".

g)Psychosomatosen der Psychosen (Vulnerabilität von Strukturen oder Teilen des Gehirns und intrapsychischer Spannung)