Ansgar Hantke

allgemeinmedizinisch-psychotherapeutische Praxis

Dass zuviel Antibiotika eingesetzt werden, ist wissenschaftlich gut belegt und kann ich als Hausarzt gut bestätigen. Nun werden restriktive Maßnahmen (auch vom Gesundheitsministerium) angedroht, beseitigen wird es das Denken der Ärzte in Bezug auf Sinn oder Unsinn des Einsatzes NICHT!

Wie komme ich darauf?

Dazu muss verstanden werden, warum überhaupt Antibiotika von Ärzten eingesetzt werden. Hier liegt bereits schon das Übel. Denn hierfür gibt es rationale und irrationale Gründe. Erstaunlicherweise ist es meist nicht die Unkenntnis (die es bei Ärzten auch gibt), die zur Verordnung führt, sondern sind es rein subjektive Gründe des Arztes. Letzteres wird gern vom Arzt geleugnet, denn er will sich nicht angreifbar machen.

Welche irrationalen Gründe gibt es?

Hier sein nur ein paar unter vielen genannt (und zwar die häufigsten)

1)Der Arzt fühlt sich vom Patienten bedrängt ("Herr Doktor, ich brauche jetzt "was richtiges")

2)Der Arzt hat Angst, den Patienten zu verlieren ("wenn das wieder nicht hilft...")

3)Der Arzt will dem Patienten was "Gutes" tun ("ich will in den Urlaub, da muss ich fit sein")

4)Der Arzt hat Angst, einen Fehler zu machen ("denken sie daran, ich hatte letztes Jahr bereits schon eine Lungenentzündung")

5)Der Arzt hat wenig Zeit

6)Der Patient kommt im Notdienst ("ich komme ja nicht wegen einer banalen Erkältung in den Notdienst")

Leider auch Unkenntnis:

  • 1)Streptokokkeninfekte ("Mandeln mit Belägen") sind kein Grund mehr mit einem Antibiotikum zu behandeln (Ausnahme: der klasssische Scharlach, also Halsentzündung UND Hautausschlag)

  • 2)Eine chronische Bronchitis, ein Asthma oder eine COPD (chronische verengende Bronchitis) sind keine Gründe primär mit einem Antibiotikum zu behandeln. Hier muss eher die Dosis der Inhalationen gesteigert werden bzw. gemäß den Leitlinien der Pulmologie behandelt werden.

  • 3)Harnwegsinfekte (es gibt keinen gefährlichen Verlauf, der zur Antibiose zwingt). Es gibt hier viele Maßnahmen, die helfen (einschl. Prävention)

  • 4)Nasennebenhöhlenentzündungen (Sinusitis) sind meist viral bedingt (>90%), es gibt keinen Grund hier Antibiotika einzusetzen.

Übrigens: gelblicher oder grünlicher Auswurf bedeutet nicht, dass es sich um eine bakterielle Infektion handelt. Dieser ist im Rahmen eines banalen Infektes üblich und zeigt nur die "Reifung" des Infektes.

Was ist zu tun?

Aufklärungsarbeit! Und zwar bei den Ärzten. Empfehlung. Ärzte sollten sich nach der Formel ICE richten:

1)Idea: welche Idee oder welchen Gedanken hat der Patient bezüglich seiner Erkrankung?

2)Concern: welche Besorgnis hat dieser?

3)Expectation: Welche Erwartungen bringt der Patient mit?

Ziel: genau diese Punkte ansprechen! Und Aufklärung betreiben: "ihr Infekt heilt in ca. 7 Tagen mit oder ohne Medikamente aus"

 

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